Und es gibt sie doch!

Kleine Vorbemerkung für alles, was hier noch so kommt: Wie schon irgendwo geschrieben steht, fahre ich eigentlich nur am Wochenende Taxi, es ist aber durchaus möglich, dass ich hier zeitlich versetzt blogge, weil ich 1. nicht eher Zeit habe, 2. länger an einem Eintrag herumfeile oder 3. die Story erst ein paar Tage braucht, um in meinem Spatzenhirn zu Blogmaterial zu reifen.😀

Hier nun mal ein kleines Anekdötchen aus einer der letzten Schichten:

Zugegeben, die letzten paar Monate in der Nachtschicht war ich mit meinen braven Fahrgästen schon sehr verwöhnt.  Unsympathen fährt man zwar immer mal, aber davon ab: Keine volltrunkenen Komasäufer, keine übergriffigen Kniebefummlerhaarestreichlerwangenkussgeber, keine zahlungsunwilligen „Flitzer“, keine kleinen Ekelpakete, die ihre Dönerreste im Fußraum zurücklassen. Fast zu schön, um wahr zu sein.

Dann klopften zwei junge Männer an mein Fenster:

 „Wieviel kostet es bis zur Zellerstraße?“

„Etwa 6,80 €.“

Kleiner Tick von mir: In 20-Cent-Schritten schätzen. Alles andere wäre schließlich keine Herausforderung.😉

 „Wir haben aber nur noch 5 €.“ Jammernder Tonfall.

„Tja, das nennt sich dann wohl Pech.“

Nee, echt nicht. Bei größeren Fahrten bin ich da normalerweise nicht so und fahre schon mal für zu wenig nach außerhalb, aber wer sich zu zweit keine Taxifahrt für knappe 7 € leisten kann, sollte eben den Nachtbus nehmen oder zu Fuß gehen. Ist ja albern, oder sehe ich das falsch?

„Kann man da echt nichts machen?“

„Sorry, Jungs, nur nach Uhr.“

 Kurzes Gemurmel untereinander

„Na gut, dann fahren wir halt!!“ Mürrischer Tonfall.

Huch, spontane passive Münzmultiplikation. Wenn mir was unsympathisch ist, dann doch sowas. Und Trinkgeld kann man in diesen Fällen sowieso knicken.

In der Neuen Weinsteige, also keine 200 m vor dem Ziel, wollten beide dann plötzlich MotorFM hören. Ansich kein Problem, musikalisch bin ich immer offen für alles (solange es weder SWR4 noch sunshine live ist), aber innerhalb von zehn Sekunden der verbleibenden Fahrtzeit einen Sender zu suchen, dessen Frequenz ich nicht mal wusste, damit meine werten Fahrgäste die letzten zwei Sekunden der verbleibenden Fahrtzeit Musik hören konnten, die ihnen noch mehr zusagt als mein eh schon cooles Standardradioprogramm, fand ich dann unverhältnismäßig bescheuert aufwändig und das hab ich auch so weiterkommuniziert.

6,80 € (strike!) wurden – wie sollte es auch anders sein – auf den Cent genau abgedrückt, ich war geistig schon wieder auf der Rückfahrt zur Stadtmitte, als einer von beiden beim Aussteigen zu mir meinte:

„Damit Du’s weißt: Wenn hier jetzt eine Straßenlaterne stehen würde, hätte ich die Tür mal so richtig dagegen geknallt!“

WTF?

Was für eine Grundwut muss man bitte mit sich herumtragen, dass man wegen einem Radiosender so ausrasten könnte? Und was für ein Anti-Auto-Freund muss man bitte sein, dass man meinem schönen fahrbaren Untersatz etwas derart Grauenvolles antun wollte? Letzteres entsetzt mich fast schon mehr, pah.

Ich hätte zwar gerne was entsprechend Fieses geantwortet, aber leider bin ich schlagfertig. Fünf Minuten danach. Falls jemand tolle Universalsprüche zum Kontrageben weiß, immer her damit.😉

Hab jedenfalls beschlossen, das nächste Mal staatsmännischer aufzutreten. Idioten.

17 Antworten zu Und es gibt sie doch!

  1. m.a. sagt:

    Was bis jetzt immer gut gekommen ist, ist „Habt ihr keine Mutter?“

  2. Kommentator sagt:

    Wozu schlagfertig, wenn sachlich bleiben genauso wirkt?
    Diesem speziellen Spacken hätte ich in Ruhe die Folgen einer solchen Aktion kommuniziert: Anzeige, eventuell Nachsuche der Polizei, Kosten für Reparatur und Verdienstausfall.
    Wer sich wegen 2,- Öre anstellt, kommt bei 300,- ans Nachdenken, speziell, wenn die von Amts wegen eingetrieben werden (das schöne Stichwort „Lohnpfändung“).

  3. Taxikunde sagt:

    als Antwort wäre geeignet gewesen:
    „gute Idee – und deinen Kopf klemmen wir dazwischen ein“

  4. Marco sagt:

    Mein Spruch-Vorschlag: „Noch ein Wort und ich steig aus und hau‘ dir in die E..r..!“ Als Frau kannst du dir so etwas erlauben.

  5. Sash sagt:

    Ich bin auch immer erst hinterher schlagfertig. Aber als Leitmotiv gilt doch heute: Den letzten Halbsatz vom Gegenüber wiederverwenden und „Deine Mudder“ davorpacken…
    Wäre in dem Fall eine super Sache gewesen😉
    OK, das war nicht unbedingt ernst zu nehmen.

  6. Lucky Jack sagt:

    In solchen Fällen ist es IMHO doch das Beste, einfach milde und verständnisvoll zu lächeln und garnichts zu erwidern. Wenn man den passenden Spruch immer erst 10 Minuten später findet (geht mir auch so), ärgert es solche Leute am meisten, wenn man sich schon mal nicht auf ihr Niveau begibt und solchen geistigen Dünnpfiff lächelnd an sich vorbeiziehen lässt.

    Letztendlich bleibt doch die Gefahr, dass solche Leute dann tatsächlich noch ausrasten. Wenn schon ein Spruch, dann besser bereitgelegte, die deren geistiges Niveau übersteigen und sie erst verstehen, was man gesagt/gemeint hat, wenn man schon drei Straßen weiter ist. (nicht, dass ich jetzt einen parat hätte😦 )

  7. Kenne ich auch leider nur zu gut. Okay, ganz selten klappt es wirklich mit der Schlagfertigkeit (hier wäre ich auch bestenfalls mit „Doof?“ angekommen).

    Aber üblicherweise halte ich es mit Mark Twain:

    „Schlagfertigkeit ist etwas, worauf man erst 24 Stunden später kommt.“

  8. matze sagt:

    Was lernen wir daraus?

    Nie neben einer Laterne (oder Ähnlichem) aussteigen lassen!
    Wenn man sowas schon mal angekündigt bekommt, muss man ja nicht erst aus der Erfahrung lernen und kann präventiv vorgehen.

    Wat’n kluger Spruch um die Zeit.😉

  9. Ly sagt:

    ein deutliches bestimmtes „AUS!“ ist zu meinem Standardspruch geworden, stinkt mir was.

    Das wirkt sogar bei meiner Mutter ( von wg Mütter und ihre Töchter ), das will was heißen😉

  10. MsTaxi sagt:

    Ein „Du kriegst wohl zuviel Taschengeld daheim?“ wäre zwar passend für den Schluss der Story gewesen, aber nicht für den Anfang🙂

    Ein „In welchem Stall stand eigentlich deine Kinderstube?“ hätte zuviel Interesse bekundet und zu unliebsamen Diskussionen geführt, denn mal ehrlich, so genau will man das ja gar nicht wissen.

    Ich erleichtere mich in solchen Fällen mit einem herzhaften „dummes A….l..h“, aber in aller Regel bei geschlossenen Fenstern und Fuß auf dem Gas…

  11. namenlos sagt:

    Im französischen gibt es für die verspätete Schlagfertigkeit den schönen Ausdruck http://en.wikipedia.org/wiki/L'esprit_de_l'escalier

  12. nadar sagt:

    Ich hätte vermutlich so oder ähnlich geantwortet: „Bloß gut, dass ich gut vernünftig parken kann.“
    Nicht der Brüller, aber Tatsache.
    Ich achte darauf, dass Fahrgäste beim Aussteigen genug Platz haben und die Tür nirgends gegenschlagen können – sei es absichtlich oder versehentlich.

    fyi: bin von Torstens Blog hierher gekommen und lese über RSS.

  13. Martin sagt:

    Ich glaube, jeder weitere Spruch hätte die beiden nur provoziert, es scheint so als hätten sie es darauf angelegt.

    „Bleib höflich und sag nichts – das ärgert sie am meisten…“
    🙂

  14. Carsten sagt:

    @namenlos: Den gibt’s im Deutschen auch: „Treppenwitz“

    Ansonsten: Höflich bleiben. Professionell-distanziert. Wenn man sich auf das Niveau von Idioten herabbegibt, läuft man Gefahr, dort von Ihnen durch Erfahrung geschlagen zu werden.

  15. Flo sagt:

    MotorFm sollte man aber trotzdem im Radio gespeichert haben.
    (Außer Freitag und Samstag abends😉 )

    http://www.motorfm.de/programm/sendeplan/

  16. CF sagt:

    „Dann leg aber bitte deinen Daumen dazwischen, damit es nicht so laut ist und meine schöne Tür nicht kaputt geht“😉

  17. VS-Geheim-Blog-Leser sagt:

    mögliche Antwort: „Und damit Du’s weißt: Wenn hier jetzt eine Straßenlaterne stehen würde, hätte ich danach deinen Kopf mal so richtig dagegen geknallt!“

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