Bloody Sunday

10. April 2011

Sämtliche Krankenhäuser und die Sonderzufahrten zu den Notaufnahmen habe ich anno dazumal nur aus einem Grund auswendig gelernt: Schwangere! Alles andere ist nicht dringend genug, als dass man nicht erst das Navi anwerfen könnte, und der Rest soll gefälligst den Krankenwagen nehmen. Soweit mein Plan.

Zwar würde ich mich nach außen hin bemühen, Mutter und Kind noch ineinander vereint in die Klinik zu bringen, aber insgeheim doch immer darauf spekulieren, dass das Baby schneller ist als ich fahren kann. Denn es gibt wohl kaum eine coolere Geschichte für einen Taxifahrer als die, wie er in seiner Droschke einem Kind geholfen hat, das Licht der Welt zu erblicken.

Leider hat es in fünf Jahren noch keine kurz vor der Entbindung stehende Frau zu mir ins Taxi geschafft. Dafür heute mal ein anderer Notfall, der aber erst relativ harmlos begann:

Abholen sollte ich in Stuttgart-Ost. Zwei Männer, einer jung und unversehrt, der andere fortgeschrittenen Alters mit einer Hand in dunkelrot eingefärbten Handtüchern, steigen ein.

„Jo, dann mal zum Marienhospital, ne?“

Über meinen Einwand, aufgrund der rasch fortschreitenden Einfärbung der vormals weißen Tücher doch lieber das Karl-Olga-Krankenhaus in unmittelbarer Nähe aufzusuchen, ging er lässig hinweg:

„Nö, ist ja nur ein ganz kleiner Schnitt, das hört schon wieder auf zu bluten. Und es tut auch gar nicht weh!“

Das aus dem Munde eines Mannes, harhar! 😀

Unterwegs erzählt er, er habe sich vor vier Stunden an einem kaputten Glas geschnitten, daraufhin ein paar Schnäpse getrunken um den Flüssigkeitsverlust wieder auszugleichen (ah ja…), aber es höre einfach nicht auf zu bluten. Zu allem Überfluss nehme er auch noch blutverdünnende Tabletten. Aber es sei ja wirklich nur ein ganz kleiner Schnitt.

Zum Beweis schlägt er das Handtuch auf und mir spritzen unkontrollierte Blutfontänen entgegen. Er war sichtlich schockiert, ich konnte mich bei einem solchen Schauspiel auch nur noch bedingt auf die Straße konzentrieren, also halte ich mit imaginärem Blaulicht mitten auf der Straße an, renne zum Kofferraum und wickle seine Hand – das Blut spritzt indes in hohem Bogen auf sein Hemd, seine Hose, mein Armaturenbrett, meine Stoffsitze – hilfsweise in zwei Rollen Küchenpapier, und rase danach mit Überschallgeschwindigkeit zur Notaufnahme.

Vor lauter Aufregung und Aktivität ist mir nicht mal flau geworden (Stolz!), aber als ich dann später an der Tankstelle stehe und mit kaltem Wasser versuche, die Überreste des Massakers aus meinem Taxi zu entfernen, bin ich wieder ganz Mädchen und nehme dankbar die Hilfe des Tankwarts an, der sich, glaube ich, so ein bisschen als Held fühlt, wie er da minutenlang mein Taxi vom Blut befreit.

Meinen Wunschtraum von der Taxigeburt werde ich wohl mal überdenken. Ist bestimmt eine noch größere Sauerei. 😀

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Lust auf ein bisschen Prominenz?

9. April 2011

… fragte mich ein sichtlich aufgeregter Portier des Le Méridien, der mich wohl am liebsten aus dem Taxi gekickt und meinen späteren Fahrgast selbst chauffiert hätte.

Mir schwant jedoch sofort Übles, erinnerte ich mich noch recht gut an eine ähnliche Anfrage desselben Portiers vor gar nicht allzu langer Zeit, wo ich im späteren Verlauf den Babysitter für zwei russische Milliardäre, die der englischen Sprache nicht ansatzweise mächtig waren, spielen durfte, und wie mir aufgetragen wurde, sie in meiner Funktion als Quotenfrau, die sich fühlte wie einer fragwürdigen Escortagentur entsprungen, in einen Nachtclub zu schleusen.

Aber heute habe ich dann tatsächlich meinen ersten richtigen Promi gefahren. Zumindest einen, den ich auch ohne Ankündigung des Portiers erkannt hätte. An dieser Stelle ein „Sorry“ an alle C-Promis, die schon meine Fahrgäste waren und unerkannt blieben. Ich sollte mal mehr Exclusiv gucken…

Zurück zu meinem Fahrgast: Exilschwabe und ihr kennt ihn alle.

Na, wer war’s? 😉