Taxiplätze

21. Mai 2011

Um mich aus dem Dilemma zu befreien, mir das Bloggen nur dann zu erlauben, wenn etwas wahnsinnig Außergewöhnliches passiert ist, schreibe ich einfach mal absichtlich über etwas eher Langweiliges. 😛

Und zwar: Taxiplätze.

Jeder kennt sie, entweder durch diesen

oder jenen

dezenten Hinweis, meist sogar in Kombination für die ganz überschaubar Intelligenten.

Mit Taxiplätzen verhält es sich ungefähr so wie mit Bushaltestellen. Jeder hält „nur mal kurz“, parken traut sich dann längerfristig doch keiner. Sollte man meinen.

Ausgerechnet der hochfrequentierte Taxiplatz in der Theodor-Heuss-Straße ist regelmäßig komplett zugeparkt, was daran liegen mag, dass da früher tatsächlich Parkplätze waren, jetzt aber eben nicht mehr. Deutlich gemacht wird dies durch obige Hinweise und gelegentliche Strafzettel, die für meinen Geschmack viel zu selten verteilt werden. Wir stehen also notgedrungen nicht innerhalb der Markierung, sondern in zweiter Reihe bedrohlich nahe am Fahrradweg mit möglichst viel Abstand zu den parkenden Autos, um unvorsichtigen Türaufreißern vorzubeugen.

Fakt ist, wir machen uns der Nötigung strafbar, wenn wir einen Falschparker blockieren, der den Taxiplatz wieder räumen will. Wir müssen also in den späten Abendstunden in einer Tour rangieren, um den Wegfahrenden Platz zu machen. Ich reize das meistens so ein bisschen aus, denn statt einem zerknirschten

„Entschuldigung für die Umstände, aber wären Sie so freundlich, uns rauszulassen?“

wird man angehupt, angefuchtelt und aus dem Auto heraus angemacht:

„Ey, wir wollen raus hier!!!“

Nö, nö, so nicht. 😀

Meistens schaue ich so lange unbeeindruckt in die andere Richtung, bis sich jemand bequemt, wenigstens an meine Scheibe zu klopfen, den ich dann darüber aufkläre, wo er hier eigentlich steht. Interessiert die meisten eher weniger, zugegeben. Muss wohl noch an meinem autoritären Blick arbeiten.

Dass wir umgekehrt aber auch niemanden behindern dürfen, der in Falschparkabsicht den Taxiplatz ansteuert, steht hingegen nirgendwo geschrieben. Und da mir Ersteres irrsinnigerweise schon nicht vergönnt ist, hab  ich mir zumindest letzteren Spaß nicht nehmen lassen.

Ich stehe also am Platz, blockiere eine vermeintliche Parklücke, die gar keine ist, damit mir a) kein Radfahrer ins Heck rast und b) niemand verbotenerweise nachparkt und das Theater von vorn beginnt. In dem Moment kommt ein kleiner Peugeot angefahren, fährt vor mich auf die gut sichtbare T A X I-Bodenmarkierung, haut einfach mal kommentarlos den Rückwärtsgang rein und fährt bis auf zwei Zentimeter Abstand auf.

Ich mache nichts.

Er hupt.

Ich mache eine „Du darfst hier nicht parken“-Handbewegung und widme mich wieder meiner Lektüre.

Nach zwei Minuten blicke ich auf, der Franzose steht unverändert mit Rückwärtsgang vor mir. Wahrscheinlich diskutieren sie gerade, wer dem beschränkten Taxifahrer aufs Maul hauen soll. Letztendlich steigt dann doch die Beifahrerin aus, nur leider lasse ich mich als Frau weder von wenig Mini noch von viel Dekolleté beeindrucken, als sie mich nicht mehr ganz so gut gelaunt darauf hinweist:

„Wir wollen hier parken! Kannst Du mal wegfahren?!“

„Das sieht zwar so aus, als wären hier Parkplätze, stimmt aber nicht. Das ist ein Taxiplatz, unschwer an der Bodenmarkierung zu erkennen, auf der ihr steht, und alle, die hier schon parken, dürfen hier gar nicht stehen.“

„Aha. Also kannst Du dann wegfahren?“

Kopf -> Tisch.

„Und warum stehst Du nur halb in der Lücke und nicht ganz?!“

fragt sie, nachdem ich meinen Satz noch mal gaaaanz langsam wiederholt habe.

„Ich stehe genau richtig.“

„Boah, dann fahr doch wenigstens IN die Lücke, damit es nicht so aussieht, als wäre hier was frei!!!“

„Das geht auch nicht. So kann ja keiner mehr einsteigen, außerdem sehe ich keinen Grund, weshalb ich mich an den Rand quetschen sollte, nur weil ihr zu blöd seid… nicht lesen könnt.“

Hab dann noch eine Weile erfolglos mit ihr über die Markierung diskutiert, bis sie dann irgendwann wutschnaubend und um ein paar beleidigende Grußworte ärmer zurück zum Auto stapfte. Wenige Minuten später werde ich besetzt und als ich kurz darauf wieder am Platz vorbeikomme, steht natürlich ein anderer Sünder in der Lücke. Man kann nicht jeden kriegen. Aber lustig war’s trotzdem.

Nett war auch, als ich im Verlauf des Abends besetzt zur Schleyerhalle fuhr, mich dort hinter einen freien Kollegen kurzerhand an den Platz stellte, um zu kassieren und meinen Fahrgast aussteigen zu lassen, als von hinten ein Nicht-Taxi kommt, wohl ebenfalls jemanden aussteigen lassen will und mich – ein Taxi auf dem Taxiplatz, wohlgemerkt – zweimal anhupt, damit ich schneller wegfahre und er meinen Platz einnehmen kann.

Ich bin ausgestiegen, hab die Arme theatralisch-aggressiv in bester „Entschuldigung, WAS bitte willst Du?!“-Manier fragend in die Luft geworfen und ihn entgeistert angeguckt. Da erkannte er dann auch mal die Absurdität seines Anliegens und zog schnell von dannen.

2:1! 😀

Ansonsten war die letzte Nacht eine Katastrophe. War jemand von euch in Stuttgart unterwegs und kann mich aufklären? Hab ich den internationalen Tag der illegalen Autorennen verpasst?

Überall entlag der Theo- bzw. Friedrichstraße standen Schaulustige wie am Hockenheimring, alle paar Sekunden gab es kurze Rennen, quietschende Reifen, Motorgeheule. Vom peinlich aufgemotzten VW Polo bis hin zum Lamborghini. Je dicker die Autos, desto häufiger die Mietwagenkennzeichen von Sixt & Co. Und hier und da natürlich Fußgänger, die zwischen den ganzen Posern mal eben über die vierspurige Straße laufen. Dass die Polizei das ernsthaft mitgemacht hat, finde ich schon verwunderlich.

Hab mich dann gegen 2 Uhr in Richtung außerhalb gelegener Taxiplätze verkrochen und da noch ein paar Euros eingefahren, der Umsatz ist nicht weiter erwähnenswert. Das war meine Freitagnacht. Und eure so? 😉

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Zwischenbilanz

11. Mai 2011

Heute um 13:27 Uhr war es so weit: Nach acht Monaten Bloggerei hat der 100.000. Besucher den Weg hierher gefunden.

Im Oktober waren es noch 4.000 – irgendwas scheine ich also richtig zu machen. Leider kann ich denjenigen nicht zurückverfolgen, sonst hätte ihn selbstverständlich lebenslange Freifahrt in meinem Taxi erwartet… 😉

Deshalb an dieser Stelle ein großes Dankeschön an die Allgemeinheit, insbesondere an die überwiegend stillen Leser (man muss sich übrigens nicht erst registrieren, um kommentieren zu dürfen…) und die „üblichen Verdächtigen“, die mit ihren Kommentaren meinen Blog nicht ganz Monolog sein lassen.

Ich mach einfach mal so weiter wie bisher, wenn’s recht ist. 😀

Cheers!


Vertrauen ist gut

8. Mai 2011

Die gute Nachricht zuerst: Ich lebe noch. 😉

Die Schlechte: Welz ist nach wie vor auf der Flucht, aber ich war dann wider Erwarten doch nicht ganz allein mit meiner Paranoia, wie diese Funkmeldung der TAZ beweist:

Für die ohne Adleraugen unter euch:

„Z.A.A. Polizei informiert, dass der Taximörder vom Bodensee flüchtig ist, bittet um äußerste Vorsicht. Hinweise an jede Polizeidienststelle!!!“

Aber back to topic: Vertrauen ist gut. Ohne Kontrolle zwar nicht uneingeschränkt zu empfehlen, aber mir hat es heute drei ungewöhnliche Fahrten beschert:

Als ich gerade am Flughafen meinen Fahrgast ausquartiert habe und wieder einsteigen will, tritt ein Mann an meine Fahrertür – mit einem Messer in der Hand.

[Dramatische Pause!]

Einem Schweizer Taschenmesser mit Perlmuttschale im Wert von über 300 €, um genauer zu sein. Ich möge es für einen Zwanziger doch bitte bei ihm Zuhause in den Briefkasten werfen, da das Gepäck schon aufgegeben sei und es im Handgepäck ein bisschen schwierig werden könnte. In der Tat, so ein klitzekleines bisschen. 😀

Auf meine Frage, warum er damit nicht den Taxifahrer beauftragt hat, der ihn eben schon zum Flughafen brachte, kam die politisch nicht ganz so korrekte Antwort:

„Nee, echt nicht, der sah aus wie Osama!“

(Verschwörungstheoretiker dürfen sich freuen.)

Natürlich habe ich das Messer ordnungsgemäß eingeworfen und nicht einmal überprüft, ob mit einer der zig Funktionen nicht etwa das Türschloss zu knacken und die Bude in aller Ruhe leerzuräumen gewesen wäre. Ebenso wenig habe ich den Schein eingesteckt und das Teil in den nächsten Mülleimer geworfen. Oder bei eBay verhökert. Oder Mami zum Muttertag geschenkt. 😉

Als Nächstes durfte ich einen Mercedes-CLS-Ersatzschlüssel quer durch Stuttgart fahren, weil Frau den Hauptschlüssel in den Gulli fallen ließ und Mann lieber Zuhause weiter grillen wollte.

Und zu guter Letzt wollte mich eine Alkoholikerin zur Tankstelle schicken, um ein paar Flaschen Korn zu besorgen. Sie ließ sich partout nicht zum Mitfahren überreden, wie das beim Taxifahren für gewöhnlich so üblich ist.

„Ähm … (Gewissen versus „Wenn Du es nicht machst, macht es halt ein anderer und verdient daran“) … okay, ich bräuchte dann das Geld.“

Sie reicht mir eine Kreditkarte.

„Damit können Sie zwar nachher die Fahrt bezahlen, aber den Alkohol in der Tankstelle nicht, weil man dafür Ihre Unterschrift braucht.“

Sie reicht mir eine EC-Karte.

„Das funktioniert so leider auch nicht, ich brauche schon Bargeld.“

Sie wird zunehmend gereizter:

„Warum nicht!?! Ich hab Ihnen hier doch extra meine PIN aufgeschrieben, die anderen Taxifahrer machen das auch immer!!!“

Huiuiui. An ihrer Stelle würde ich mal die Kontoauszüge überprüfen, ob da nicht vielleicht noch ein paar Liter Diesel mitabgebucht wurden. Wir haben das Problem dann so gelöst, dass ich aus eigener Tasche bezahlt habe und sie am Ende den Fahrpreis plus meine Auslagen mit Kreditkarte. Zu dieser Variante habe ich ihr mal besser für die Zukunft geraten, wenngleich bezweifelt werden darf, dass das alle Kollegen anstandslos mitmachen.

Und als ich kurz vor Feierabend wie so oft am Méridien stehe, sichte ich schon wieder einen Promi, yay!

Oder vielmehr hat mich ein Promi gesichtet und ich habe mangels Sehhilfe erst mit zusammengekniffenen Augen böse zurückgestiert, bis mir auffiel, dass es sich hier um Wladimir oder Vitali – Tendenz zu Letzterem, aber wer kann die schon auseinander halten? – Klitschko handelt. Dann hab ich natürlich schlagartig (höhö) nett geguckt, bevor er sich noch angepöbelt fühlt und mir auf die Nase haut. 😀

Hach, was ein aufregender Tag! Und endlich konnte ich mal wieder bloggen.


Auf der Flucht

7. Mai 2011

Wer heute Nachrichten gesehen, gehört oder gelesen hat, wird es wahrscheinlich schon wissen:

Der „Taximörder“ vom Bodensee ist mal eben während des Hofgangs aus dem psychiatrischen Krankenhaus in Wiesloch bei Heidelberg geflohen. In Badeschlappen, wie die BILD hier berichtet.

Weit wird er zwar voraussichtlich nicht kommen, aber ich bin gespannt, ob er in den nächsten Stunden gefasst wird. Ansonsten wird das morgen eine doch sehr paranoide Schicht… Hate that!