Innovativ unterwegs

30. Oktober 2011

Da muss ich also erst fünf Jahre Taxi fahren, bis mir heute der erste Fahrgast nach Abschluss der Modalitäten zum Abschied doch tatsächlich die Hand reicht (von zuneigungsbekundungswilligen Betrunkenen und tätschelnden Alten mal abgesehen). Fand ich ja richtig cool.

Taxifahrer zum Abschied die Hand reichen und „eine gute Zeit“ wünschen.

So sollte das in jedem Knigge stehen. Wirkt sich bestimmt auch positiv aufs Trinkgeld aus, wenn man sich körperlich schon so nahe kommt.

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Stellungswechsel

24. Oktober 2011

Da es taximäßig gerade nahezu unheimlich ruhig ist, habe ich, wie neulich schon RTL, den großen Mia-Taxi-Test gestartet (bei RTL hieß er natürlich anders), kann aber leider, wie das bei fiesen Taxitests üblich zu sein scheint, auch nichts Gutes berichten. Glücklicherweise hab ich nicht die Stuttgarter getestet. 😀

Nun, genau genommen hab ich überhaupt nicht getestet, sondern bin einfach nur Taxi gefahren, aber  wer – wie ich kopfschüttelnd und Haare raufend – den seriösen (!) und repräsentativen (!) Taxi-Test von RTL gesehen hat, dem sei dieser lesenswerte Beitrag ans Herz gelegt.

Jedenfalls: In meiner neuen Wahlheimat unweit von Stuttgart kenne ich mich noch überhaupt nicht aus (was fast ein bisschen peinlich ist, da ich nur wenige Kilometer entfernt über 20 Jahre gelebt habe). Heute hatte ich hier also einen Termin und im Hinblick auf mein immer währendes Zeitproblem und ein Navi, das nach nur einem Jahr ständig Sperenzchen macht, sagte ich so zu mir:

„Nimmste mal wieder ein Taxi!“

Man muss dazu sagen, die Taxifahrer in der Wahlheimat sind die Sprücheklopfer vor dem Herrn. Schon das ein oder andere Mal kam ich in den Genuss einer verliebten Lobeshymne auf sich selbst. Wenn man nämlich als Taxifahrer in der Wahlheimat nicht täglich mindestens zwanzig Touren und dreihundert Euronen macht, wird man ausgelacht. Und wenn man Taxifahrer in Stuttgart ist, was mit der Umsatzproblematik einhergeht, sowieso. Überhaupt können sie alles besser als wir eingebildeten  Landeshauptstädter, weshalb ich es mir meistens verkneife, mich zu outen.

Die Hinfahrt war noch in Ordnung, auch wenn es das dreikommasieben Kilometer entfernte Ziel in seinen Augen nur gerade so wert war, den Motor anzuwerfen.

„Ach, der Stadtteil. Da kann man ja auch sehr gut zu Fuß hinkommen…“

Hab jetzt nicht so genau verstanden, was er mir damit sagen wollte. Aber sollte ich jemals derart zähneknirschend einen Fahrgast empfangen, möge man bitte meinen Taxischein durch den Schredder jagen.

Für die Heimfahrt hab ich mir dennoch ganz zuversichtlich und aus Alternativenmangel erneut ein Taxi geordert.

„Taxi kommt!“,

versprach die Zentrale.

Nach zwanzig Minuten war es dann auch schon da. Zumindest hab ich es am Anfang der Straße gesichtet und die Hand gehoben. Der Fahrer ließ sich davon nicht beeindrucken, so ein Telefongespräch lenkt mitunter ziemlich ab. Im Zeitlupentempo kam er mit Handy am Ohr auf mich zugerollt, in zehn Metern Entfernung hält er schließlich an und ich bequeme mich, ihm entgegen zu gehen.

„Steigen Sie ein, junge Dame, wo darf ich Sie hinbringen?“

hab ich mir eben gedacht, denn ich wurde keines Blickes gewürdigt.

Ich sitze. Wir stehen. Er telefoniert weiter.

„Okay“,

denke ich,

„Männer und Multitasking passen nicht zusammen. Give him a break.“

Da beweist er mir das Gegenteil und schaltet schon mal die Uhr ein.

Wir stehen weiter. Er telefoniert immer noch.

Ich so: „Äh ja, hallo erst mal. Schön, dass Sie auch noch gekommen sind. Ist ja wieder ganz schön kalt geworden.“

Er so: „… jaaaa, hat der misch voll angemacht!

Ich so, etwas eindringlicher: „Ich würde gerne in die Wahlheimatstraße.“

Er so: „He?! Isch des bei Reschtorant? Nee, nisch Du, hab isch gerade Kundschaft, weisch.“

Ich so: „Exakt. Und ich hab’s leider ein bisschen eilig.“

Wir rollen los, in die falsche Richtung. Er wendet gaaaanz langsam, nachdem ich ihn zweimal darauf hinweisen musste.

Er so: „Und isch dann so zu dem: Ey, bin isch hier der Taxifahrer oder Du? Wenn kannsch Du besser – Du fahren selber, näää?“

Mein Lachen an dieser Stelle hat er nicht verstanden. Und dass es, nachdem wir mit gemütlichen 40 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit irgendwann am Ziel ankamen, und er erst nach der Hälfte der Fahrt, als dann endlich geklärt war, dass es Hasen zum Abendessen geben sollte, mal sein Blueberry beiseite gelegt hat, kein Trinkgeld gab, irgendwie auch nicht. Zum Glück hat er noch seinen exorbitanten Umsatz, sonst müsste er ja fast mal seinen Kundenservice optimieren…

PS: Puh, kommt mir das nur so vor oder habe ich in diesem Beitrag meinen Jahresvorrat an Kommata aufgebraucht?


Blinken wäre gut

21. Oktober 2011

Was ich immer wieder mit Verwunderung feststelle: Taxifahrer und ihre „skills“ im Straßenverkehr werden vom Otto-Normal-Bürger mit Leidenschaft und Akribie unter die Lupe genommen. Nichts gibt einem Laien offenbar mehr Genugtuung, als einen Berufsfahrer bei jeder sich bietenden Gelegenheit zurechtzuweisen. Und wenn der das Publikum in Form von Fahrgästen gleich mitbringt, umso besser.

Ergänzend zum üblichen

„Und sowas wird Taxifahrer!“

empfiehlt sich bei mir noch

„Frauen am Steuer…“.

„Und dann auch noch blond!“

gilt neuerdings jedoch nicht mehr. Ein Klischee weniger, immerhin.

Richtig blöd habe ich mich in aller Öffentlichkeit zum Glück aber noch nicht angestellt. Einzig vor dem von Rauchern und Sonnenanbetern hoch frequentierten Haupteingang des Klinikums Böblingen-Sindelfingen habe ich mal kurz peinlicherweise in Erwägung gezogen, mich in eine Parklücke zu quetschen, die bei genauerem Hinsehen keine enge Parklücke war, sondern der großzügige Zwischenraum zweier parkender Autos auf einem Behindertenparkplatz. Beim Ausholen gerade noch rechtzeitig bemerkt und, als wäre nichts gewesen, scheinheilig die Kurve gekratzt. Auch auf einen Poller fahre ich (trotz Rückwärtsgangkamera…) lieber nachts in aller Einsamkeit.

Ansonsten bewege ich mich doch relativ sicher auf den Straßen und kenne zudem auch die ein oder andere knifflige Stelle in Stuttgart besser als diejenigen, die sich am Sonntag im Nachhinein wohl selbstgerecht auf die Schulter geklopft haben, weil sie der unfähigen Taxifahrerin gezeigt haben, wo der Frosch die Locken hat.

Ich leiste mal ein bisschen Aufklärungsarbeit:

1. Die Planie ist kein Kreisverkehr

Eine meiner überschaubaren Charakterschwächen ist der Zwang, meine Macht zu  demonstrieren, wenn Nicht-Taxis auf Taxiplätzen stehen. Was gar nicht geht: ein Nicht-Taxi an der Stelle, wo eigentlich das erste Taxi am Platz stehen sollte. Und was noch weniger geht: dies länger als eine Minute mit einem Taxi im Rückspiegel.

Als ich gerade so dabei war, den Übeltäter vom Taxiplatz Planie zu verjagen, hab ich auch gleich mal darauf hingewiesen, dass im gesamten Bereich keine Fahrzeuge außer Bussen und Taxis erlaubt sind. Kleinkariert und auch ein bisschen ätzend, aber hey, wenn ich alt bin, werde ich nur nörgeln und irgendwann muss ich schließlich mal damit anfangen. Er zog mürrisch von dannen und hielt nunmehr halb auf dem Zebrastreifen, halb auf der Fahrbahn außerhalb der privilegierten Zone. Kurz darauf bekam ich Kundschaft und startete in Richtung Charlottenplatz, als er seine Chance auf Revanche witterte, spontan das Steuer herumriss und sie sich zum Zwecke meiner Ausbremsung im „Kreisverkehr“ wohl nicht nehmen lassen wollte, die Vorfahrt. Zu dumm, dass er keine hatte.

Den selbstgerechten Blick hätte ich zu gerne als die stumme Bitte

„Fahr mir in die Beifahrerseite“

interpretiert, aber ich hatte ja einen Fahrgast. (Na gut, das war nicht der einzige Hinderungsgrund). Ansonsten eine echt gute Stelle für Versicherungsbetrug und so.

2. Kreuzung U-Bahn-Station Payerstraße

Die allgemeine Verwirrung kann ich zwar nicht verstehen, da die Ampelpfeile für mein Empfinden logischer nicht sein könnten…

… aber nachdem ich dort selbst schon einen Streifenwagen (freilich ohne Blaulicht) in aller Seelenruhe über rot habe fahren sehen, scheint das doch alles nicht so einfach zu sein.

Wie so oft fahre ich auch diesmal eine meiner Stammkundinnen und wir sind, auf der Rechtsabbiegespur an der Ampel wartend, ins Gespräch vertieft, als plötzlich hinter uns gehupt, gehuuuuuupt, gehuphuphupt, wild gestikuliert, zurückgesetzt, links vorbeigezogen und rechts über rot gefahren wird – mich dabei mit Blicken tötend. Zwei andere Autos folgen. Wenigstens meine Fahrgästin war auf meiner Seite und hielt mich zum Glück nicht für den dunkelsten Stern am Himmelszelt. Selig sind die geistig Armen.

3. Krankenhaus Ruit

Da ich relativ oft auf den Fildern unterwegs bin, bleibt es natürlich nicht aus, dass man hin und wieder mal ins feindliche Territorium Esslingen ausschwärmt. So auch dieses Mal. Am Ziel angekommen konnte sich meine Fahrgästin nicht so recht entscheiden, wo sie genau aussteigen möchte und da sich gerade kein Auto hinter mir befand, bin ich erst mal langsam die Straße entlang gerollt. Im Gegenverkehr schien Fahrerin samt Fahrzeug ähnlich unentschlossen, hat mich aber erst mal nicht tangiert. Etwa auf meiner Höhe macht die Fahrerin jedoch plötzlich auf sich aufmerksam und wirft mir ein augenrollendes

„Blinken wäre gut! Wohl ein bisschen überfordert…“

an den Kopf und braust davon.

Pah! Warum hauen die immer gleich alle ab? Dabei bin ich doch mehr der Ausdiskutierer! Dann hätte sie nämlich auch gemerkt, dass meiner eingeschlagenen Richtung kein freier Willen zugrunde lag, sondern ich schlicht den Verkehrsregeln gefolgt bin:

(Kunst mit „mangelhaft“ abgewählt, danke.)

So. Und wenn mich in nächster Zeit wieder jemand dumm von der Seite anmacht, werde ich Zuhause Pappschilder basteln, die ich im passenden Moment aus dem Fenster halten kann. Zum Beispiel:

„Das war DEINE Schuld und nur dank MEINEN Fahrkünsten hat’s jetzt nicht geknallt!“

oder

„Hier sind 70 erlaubt und ich fahr‘ schon 100. Was ist Dein Problem, Du Spaten?“

 oder

„Bitte fahren Sie nur an Sonntagen. Da finden Sie viele Gleichgesinnte.“

oder

„Weniger quatschen, mehr Gas geben.“

oder eben der Klassiker:

„Wenn man keine Ahnung hat…“

Eignet sich wohl am besten für alle Dummschwätzer, bei meinen anderen Mitteilungsbedürfnissen wäre die Schrift sowieso viel zu klein, dabei hätte ich doch sooo viel zu sagen! Zum Glück gibt es diesen Blog. 😀


Status quo

19. Oktober 2011

Ich weiß, ich weiß, da kündige ich die Wiederauferstehung dieses Blogs erst großspurig an und dann blogge ich im Oktober kein einziges Mal. Kommt aber noch. Einzig und allein wegen privater Internetlosigkeit müsst ihr euch leider vorerst ein wenig gedulden.

Gibt es eigentlich einen einzigen Menschen auf diesem Erdball,

  1. bei dem der Telekomtechniker beim ersten angekündigten Termin auch tatsächlich erscheint oder 
  2. bei dem nicht spontan irgend ein undefinierbares Problem „in der Leitung“ auftaucht oder
  3. dem die Bearbeitungsnummer der Telekom nicht aus Datenschutzgründen verheimlicht wird (wobei mich hier mal interessieren würde, welche Daten da genau geschützt werden, ist ja schließlich mein Auftrag)?

Wie dem auch sei, die ein oder andere Geschichte liegt bereits offline auf meinem Rechner und wartet quasi nur darauf, veröffentlicht zu werden. Oje, sollte man nicht eigentlich immer tiefstapeln? Egal, irgendwie muss ich euch ja bei der Stange halten. 😀

A bientôt!