Stellungswechsel

Da es taximäßig gerade nahezu unheimlich ruhig ist, habe ich, wie neulich schon RTL, den großen Mia-Taxi-Test gestartet (bei RTL hieß er natürlich anders), kann aber leider, wie das bei fiesen Taxitests üblich zu sein scheint, auch nichts Gutes berichten. Glücklicherweise hab ich nicht die Stuttgarter getestet.😀

Nun, genau genommen hab ich überhaupt nicht getestet, sondern bin einfach nur Taxi gefahren, aber  wer – wie ich kopfschüttelnd und Haare raufend – den seriösen (!) und repräsentativen (!) Taxi-Test von RTL gesehen hat, dem sei dieser lesenswerte Beitrag ans Herz gelegt.

Jedenfalls: In meiner neuen Wahlheimat unweit von Stuttgart kenne ich mich noch überhaupt nicht aus (was fast ein bisschen peinlich ist, da ich nur wenige Kilometer entfernt über 20 Jahre gelebt habe). Heute hatte ich hier also einen Termin und im Hinblick auf mein immer währendes Zeitproblem und ein Navi, das nach nur einem Jahr ständig Sperenzchen macht, sagte ich so zu mir:

„Nimmste mal wieder ein Taxi!“

Man muss dazu sagen, die Taxifahrer in der Wahlheimat sind die Sprücheklopfer vor dem Herrn. Schon das ein oder andere Mal kam ich in den Genuss einer verliebten Lobeshymne auf sich selbst. Wenn man nämlich als Taxifahrer in der Wahlheimat nicht täglich mindestens zwanzig Touren und dreihundert Euronen macht, wird man ausgelacht. Und wenn man Taxifahrer in Stuttgart ist, was mit der Umsatzproblematik einhergeht, sowieso. Überhaupt können sie alles besser als wir eingebildeten  Landeshauptstädter, weshalb ich es mir meistens verkneife, mich zu outen.

Die Hinfahrt war noch in Ordnung, auch wenn es das dreikommasieben Kilometer entfernte Ziel in seinen Augen nur gerade so wert war, den Motor anzuwerfen.

„Ach, der Stadtteil. Da kann man ja auch sehr gut zu Fuß hinkommen…“

Hab jetzt nicht so genau verstanden, was er mir damit sagen wollte. Aber sollte ich jemals derart zähneknirschend einen Fahrgast empfangen, möge man bitte meinen Taxischein durch den Schredder jagen.

Für die Heimfahrt hab ich mir dennoch ganz zuversichtlich und aus Alternativenmangel erneut ein Taxi geordert.

„Taxi kommt!“,

versprach die Zentrale.

Nach zwanzig Minuten war es dann auch schon da. Zumindest hab ich es am Anfang der Straße gesichtet und die Hand gehoben. Der Fahrer ließ sich davon nicht beeindrucken, so ein Telefongespräch lenkt mitunter ziemlich ab. Im Zeitlupentempo kam er mit Handy am Ohr auf mich zugerollt, in zehn Metern Entfernung hält er schließlich an und ich bequeme mich, ihm entgegen zu gehen.

„Steigen Sie ein, junge Dame, wo darf ich Sie hinbringen?“

hab ich mir eben gedacht, denn ich wurde keines Blickes gewürdigt.

Ich sitze. Wir stehen. Er telefoniert weiter.

„Okay“,

denke ich,

„Männer und Multitasking passen nicht zusammen. Give him a break.“

Da beweist er mir das Gegenteil und schaltet schon mal die Uhr ein.

Wir stehen weiter. Er telefoniert immer noch.

Ich so: „Äh ja, hallo erst mal. Schön, dass Sie auch noch gekommen sind. Ist ja wieder ganz schön kalt geworden.“

Er so: „… jaaaa, hat der misch voll angemacht!

Ich so, etwas eindringlicher: „Ich würde gerne in die Wahlheimatstraße.“

Er so: „He?! Isch des bei Reschtorant? Nee, nisch Du, hab isch gerade Kundschaft, weisch.“

Ich so: „Exakt. Und ich hab’s leider ein bisschen eilig.“

Wir rollen los, in die falsche Richtung. Er wendet gaaaanz langsam, nachdem ich ihn zweimal darauf hinweisen musste.

Er so: „Und isch dann so zu dem: Ey, bin isch hier der Taxifahrer oder Du? Wenn kannsch Du besser – Du fahren selber, näää?“

Mein Lachen an dieser Stelle hat er nicht verstanden. Und dass es, nachdem wir mit gemütlichen 40 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit irgendwann am Ziel ankamen, und er erst nach der Hälfte der Fahrt, als dann endlich geklärt war, dass es Hasen zum Abendessen geben sollte, mal sein Blueberry beiseite gelegt hat, kein Trinkgeld gab, irgendwie auch nicht. Zum Glück hat er noch seinen exorbitanten Umsatz, sonst müsste er ja fast mal seinen Kundenservice optimieren…

PS: Puh, kommt mir das nur so vor oder habe ich in diesem Beitrag meinen Jahresvorrat an Kommata aufgebraucht?

12 Antworten zu Stellungswechsel

  1. Aber echt, wie konntest du kein Trinkgeld geben, wo er dir doch gratis Einblicke in sein hoch interessantes Leben gegeben hat. Unerklärlich.😉

  2. Taxi 123 sagt:

    Den Test kannst Du auch printmäßig verwerten! Bei 100% aller Fahrten gab es Probleme. Daraus wird sicher eine Super-Schlagzeile.🙂

  3. Bernd sagt:

    Er so: „Und isch dann so zu dem: Ey, bin isch hier der Taxifahrer oder Du? Wenn kannsch Du besser – Du fahren selber, näää?“

    Ich hätte knallhart „Ich. Ja, weg da!“ gesagt ^^

  4. MsTaxi sagt:

    Bei solchen Typen krieg ich ja immer nen akuten Fremdschamanfall, wenn ich sowas lese oder höre. Da möchte ich als Berufsbezeichnung dann so sozial akzeptable Beschreibungen wie „Staubsaugervertreterin“ oder „neeeeeeee, ICH arbeite für eine polnische Drückerkolonne oder die GEZ“ angeben können.

    Aber am allermeisten speit es mich dann an, wenn diese Typen dann von irgendeiner Aufsicht erwischt werden und sich dann über die verdient kassierte Strafe auch noch beschweren.

    P.S.: @Bernd
    Das ging mir auch durch den Kopf, sein Navi könnt‘ ich ja auch bedienen (der hat unter Garantie eines!)

  5. Sash sagt:

    „Du sagen, ich fahren!“
    Hab ich leider auch schon zu oft als Kritik von Kunden gehört…
    Manchmal scheint es leider zu stimmen😦
    Aber schön, dass du wenigstens aufs Trinkgeld verzichtet hast! Ich nehme an, das fällt dir – wie mir – als Fahrerin auch eher schwer…

  6. Hendrik sagt:

    ,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,

    da, ein Notfall-Vorrat, das Jahr geht ja schließlich noch ein bisschen.😉

  7. Dennis sagt:

    Die Kommata hast Du dann wohl all denen gemopst, die sich sonst so im Internet tummeln. Gerade in Foren scheint der ordnungsgemäße Gebrauch von Satzzeichen fast zwangsläufig zum virtuellen Hausverbot zu führen, möchte man meinen. Ich musste übrigens neulich auch mal wieder in HH Taxi fahren. Des Fahrers „Wenn Sie sich übergeben müssen, sagen Sie Bescheid, ich fahr dann rechts ran, ja?“ kam sehr mitleidig, und bis zur Haustür hat er mich auch gebracht (ich war nicht betrunken, nebenbei bemerkt).🙂 Hamburg hat also, wie so oft, die Nase vorne. :]

  8. flowbb sagt:

    In solchen Situationen verdammt man doch die Flatrates und wünscht man sich die Telefontarife von 1996 zurück…

  9. fronti sagt:

    wenn man das so liest tippe ich darauf, dass $wahlheimatstadt irgendwas mit Bach am Ende hat. Und evtl am Anfang ein F

    • Mia sagt:

      F…bach? Wo soll das denn sein? Und ich dachte, ich kenne hier alles in der näheren Umgebung.

      Nein, die Wahlheimatstadt endet auf „ingen“. Wie ungefähr jede zweite Stadt in Baden-Württemberg.

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