Verdiente Brötchen

Jetzt weiß ich wieder, warum ich nicht gerne am Ostendplatz stehe: Weil die mir auferlegten Aufträge dort immer irgendwie „speziell“ sind. So natürlich auch dieses Mal. Der Auftrag ließ zunächst Ominöses verlauten:

„Material bitte sofort ausliefern!!!“

Klang wahnsinnig wichtig und lebensrettend – was für mich, also hab ich angenommen.

Das Material bestand aus 120 frischen Brötchen, abzuholen bei einem Bäcker am Ostendplatz und für einen Festpreis auszuliefern in einem Hotel in Feuerbach. Auftraggeber war eine Ausflugsguppe eines österreichischen Hospizes. Die Kombination fand ich erst etwas befremdlich, scheint aber doch nur ein gewöhnliches Hotel in Tirol zu sein.

Den Kofferraum voller duftenden Brötchen mache ich mich knurrenden Magens also auf den Weg, checke ungefähr hundertmal den Auftrag en détail, damit ich auch nicht das falsche Hotel anfahre (ich kenne mich einfach zu gut) und komme kurz darauf zuversichtlich in Feuerbach an, wo natürlich passiert, was passieren musste:

„Ich weiß von nichts!“

sprach die Rezeptionistin.

„Aber das war bestimmt eine unserer Frühstücksdamen.“

Bestimmt nicht, denke ich. Dem Hotel wird schließlich nicht die Ladung Brötchen fürs Frühstück ausgegangen sein. Und wenn, gäbe es wohl diskretere Lösungswege, als den Nachschub per Taxi vor allen Gästen an die Rezeption zu karren. Die Bestätigung kam prompt von der resoluten Frühstücksfee:

„Nee, wir haben nix bestellt. Wir bestellen sowieso nur per Fax und auch nur dienstags und donnerstags. Und natürlich direkt bei unseren Lieferanten und nicht bei der Taxizentrale.“

„Ja, das dachte ich mir schon, aber ich habe den Auftrag, die Brötchen an der Rezeption abzuliefern und das werde ich auch einfach mal tun, den bezahlt sind sowohl die Brötchen als auch ich.“

„Moooment, Sie laden hier bestimmt keine 120 Brötchen ab, die wir nicht bestellt haben!“

funkelt sie mich böse an.

Die Rezeptionistin blickt etwas hilflos drein, also krame ich noch mal in den Tüten und überreiche die Quittung, ausgestellt auf oben erwähntes Hospiz in Tirol.

Die Frühstücksdame erklärt unnötigerweise:

„Ach, schauen Sie, das sind gar nicht wir!“

Ich hoffe nicht, dass sie mir allen Ernstes verklickern wollte, dass ich mich schlicht in der Adresse geirrt hätte. Ups, ist ja gar nicht Österreich hier! oder wie?

Die Rezeptionistin checkt in der Zwischenzeit erfolglos die Gästeliste auf jenen Namen. Als sie dann aber bei den anreisenden Gästen nachsieht, endlich ein Volltreffer. Und eine kleine Notiz, die für die Reaktion sorgt, die ich schon die ganze Zeit sehen wollte:

„Ich nehme die Brötchen an!“

gelobt sie feierlich und nickt. Barack Obama hätte es nicht besser machen können.

Und so konnten wir der vermeintlichen Ernsthaftigkeit des Auftrags schlussendlich doch noch gerecht werden.

Eine Antwort zu Verdiente Brötchen

  1. Getreu nach Obama: No, you can’t. Erm sorry! YES, you can!
    😉

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