Agathe Bauer im Taxi

Eine kleine Marotte habe ich mir ja im Laufe der Zeit angewöhnt. Ich wiederhole immer noch mal das vom Fahrgast gewünsche Fahrtziel, um so im Zweifel einen Übertragungsfehler und die sich daraus ergebende Odyssee vermeiden zu können.

Gut, bei „Flughafen“ schenke ich mir das zwar, aber ansonsten meldet sich selbst bei der noch so klar artikulierten Straße der Echo-Reflex. Meistens unnötig und dicht gefolgt von einem müden „Ja. (Habsch doch grade gesagt…)“, aber für den Fall der Fälle, so dachte ich … nein, da hilft es dann leider auch nicht.

So fuhr ich schon von der Innenstadt nach Cannstatt, um kurz vor Erreichen der Normannstraße plötzlich vom Fahrgast immer weiter weg vom Ziel gelotst zu werden – nach Steinhaldenfeld in die Naumannstraße. Wenigstens war’s grob dieselbe Richtung.😀

Richtig lustig wird es allerdings, wenn die Fahrgäste der deutschen Sprache nicht mächtig und zudem ortsunkundig sind. Einen amüsanten Dialog der Kategorie „Gerade noch mal gut gegangen“ hatte ich gestern in Plieningen:

Abholung von einem Hotel, eine kleine Frau mit einem doppelt so großen Koffer steigt ein.

„Zum Bahnhof, bitte.“

Aufgrund der übertrieben kurzen Entfernung zur U-Bahn-Haltestelle in Plieningen und des schweren Koffers schlussfolgere ich:

„Hauptbahnhof, ja?“

„Ja ja, Bahnhof, ja.“

Ich fahre langsam in Richtung Filderlinie, da meldet sich meine weibliche Intuition.

„Also, jetzt noch mal: H-A-U-P-T-Bahnhof, ja?“

„Ja ja, Bahnhof, ja.“ … „Plieningen“,

schiebt sie nach.

Also doch. Da weint das Taxifahrerherz.

„Puh, da haben Sie ja noch mal Glück gehabt. Jetzt wäre ich mit Ihnen fast zum Hauptbahnhof gefahren.“

Sie, entrüstet:

„WAS?! Viel su teuer mit Taxi, fahren mit U-Bahn in Stadt. Is besser.“

Ja, ist besser. Der ÖPNV ist und bleibt halt doch des Taxifahrers größter Feind.

Ein nicht so ganz tiefenentspanntes Erlebnis hatte ich dann im Laufe der Nacht noch in der Immenhofer Straße. Drei angetrunkene Männer fielen vom afrikanischen Restaurant direkt in mein Taxi.

„Marienplatz.“

„Marienplatz?“

„Ja. (Habsch doch grade gesagt…)“

Ich fahre also die Immenhofer hoch und will dann auf die Filderstraße abbiegen, als von hinten der Einwand kommt, ich hätte doch auch beim Restaurant wenden und nach unten fahren können. Meine Erklärung, dort könne man aber nicht links Richtung Marienplatz abbiegen, wird scheinbar anstandslos geschluckt.

In der Filderstraße höre ich allerdings irgendwas von „Stuttgart bei Nacht … schön … sehen wir auch mal was … Stadtrundfahrt“.

Ich habe tausend Fragezeichen im Kopf und zweifle mal wieder ernsthaft an der Wahl meiner Route. Selbst wenn es eine bessere, mir unbekannte, geben sollte, sooo falsch kann sie gar nicht sein. Kurz darauf sind wir auch schon da, aber als keiner Anstalten macht, auszusteigen oder das Portemonnaie zu zücken, drehe ich mich skeptisch um und sehe in ebenso fragend dreinblickende Gesichter.

„Marienplatz“,

sage ich, als wäre das unter dem überdimensionalen Haltestellenschild noch nicht offensichtlich genug.

Einer der Fahrgäste auf den hinteren Plätzen wird plötzlich ungemütlich und brüllt:

„Malina!! Malina!! Malina Plaaatz!!!“

Es folgen ein paar (vermutlich) Voodoo-Flüche in ausländischer Sprache.

Da fällt dann auch bei mir der Groschen, wir sind falsch. Dabei habe ich extra so schön nachgefragt, aber wie so oft hört mir einfach niemand zu. Der „Berliner Platz“ wäre das Ziel der Wahl gewesen. Jetzt macht auch die Frage Sinn, warum ich beim Restaurant nicht gleich gewendet habe. Aber mei… Ich entschuldige mich einmal, zweimal und beim dritten Mal ohne Besänftigung mittlerweile etwas unwirsch, ziehe aber am Ziel angekommen freundlicherweise fünf ganze Euros ab.

„5,20 €, bitte.“

„Fumunswansik???“

Einem der Männer platzt gerade die Hutschnur und er beugt sich von hinten bedrohlich dicht zu mir in den Fahrerraum, da drückt mir der Beifahrer schnell 8 € in die Hand und zieht seine Freunde aus dem Taxi.

Ob ich mir in Zukunft das Fahrtziel schriftlich bestätigen lassen sollte? Kann ja wohl nicht wahr sein…

3 Antworten zu Agathe Bauer im Taxi

  1. Herr Fleck sagt:

    Endlich wieder Neues von der Taxifront. Und wie immer gewohnt unterhaltsam. Danke!🙂

  2. Da sage ich doch mal vielen Dank für die netten Berichte.

  3. Das läuft bei mir beim Bäcker ganz genauso. „Zwei helle Brötchen!“ „Die hellen Brötchen hier vorne *draufzeig*?“ „jaja….“ und dann 5 Sekunden später: „Ne, das waren aber die falschen, ich wollte doch die hier *auf völlig andere Brötchen 50 cm entfernt zeig*!“ -.-

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