Oh, Theo!

30. Dezember 2012

Wer von meiner ewigen Auto-parkt-auf-Taxiplatz-Nörgelei genervt ist, möge bitte nicht weiterlesen. Ich kann es ja selbst schon nicht mehr hören, aber das ändert leider auch nichts an der Situation. Gestern dachte ich schon, meine Gebete seien erhört worden, als ich im Rückspiegel sehe, wie ein Abschleppwagen hinter mich auf den Platz fährt. Mein Herz macht einen aufgeregten Freudensprung, aber der Fahrer musste dann doch nur kurz telefonieren. Auf dem Taxiplatz…

Kleine Gedächtnisauffrischung:

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Selbst die Polizei hat letzte Nacht ganz gemütlich eine Verkehrskontrolle auf dem Taxiplatz durchgeführt und mit der Streife plus gestopptem Fahrzeug einfach mal ein Drittel des Platzes blockiert, anstatt – wie sonst üblich – einen der zwei Fahrstreifen zu nutzen und uns in Ruhe zu lassen. Mir scheint, man respektiert uns nicht mehr so richtig…

Voriges Wochenende stand ein Reisebus (!) über Stunden (!!) vorne auf dem Platz, in zweiter Reihe neben den üblichen Falschparkern, woraufhin mir eine zugeparkte Falschparkerin ihr Leid klagte und nicht so ganz verstanden hat, warum ich keine Lust hatte, auszusteigen und ihr beim Ausparken behilflich zu sein. Ich hab sie also genüsslich eine Viertelstunde rangieren, verzweifelt um den Bus herumlaufen und wieder rangieren lassen, bis ihr dann doch noch ein Fußgänger aus der Misere geholfen hat. Schade, hatte gerade angefangen, Spaß zu machen.

Neulich meinte ein Kollege zu mir, auf der anderen Straßenseite sei ja auch noch ein Taxiplatz. Ich hab ihm nicht geglaubt, fahre ich doch seit Jahren jedes Wochenende tausendmal da vorbei. Gestern hab ich genauer hingeguckt und: Tatsache. Den habe ich nur noch nie gesehen, weil da immer parkende Autos drauf stehen, ha ha.

Auch in der Kronprinzstraße gibt es einen Stellplatz für ein einzelnes Taxi, auf dem genauso munter normale Autos aus- und einparken. Wen interessiert da schon das Taxi im Rückspiegel…

Aber gerade in der Theo ist das Problem, dass man, wenn man auf dem dortigen Taxiplatz nicht unterkommt, erst mal die komplette Theo und Friedrichstraße runterfahren, wenden und die komplette Friedrichstraße und Theo wieder hochfahren muss, um zurück in die Innenstadt zu kommen. Und dafür braucht man mindestens zehn Minuten, weil die Polizei zu später Stunde sämtliche Wendemöglichkeiten sperrt und sich ellenlange Ampelstaus bilden.

Da ist es schon ärgerlich genug, wenn Kollegen die Zufahrt auf den Platz blockieren, indem sie nicht aufrücken oder großzügig Abstand halten und man deshalb vorbeifahren muss. Umso schlimmer, wenn Fahrzeuge den Platz besetzen, die dort schlicht nicht hingehören. Wie auch gestern wieder.

Klopf-klopf.

„Ich müsste hier raus.“

„Schön, aber das hier ist eigentlich ein Taxiplatz!“

 „Ja, soll ich jetzt etwa die ganze Nacht hier warten oder was?!“

Weiß der Teufel, warum ich einen netten Moment hatte und ihr nicht ordentlich die Leviten gelesen habe. Das wäre jedenfalls die Gelegenheit gewesen, einfach mal

 „Ja, genau das!!! Viel Spaß, bis 6 Uhr morgens stehen hier durchgängig Taxis!“

zu sagen.

„Nö, ich wollt’s nur erwähnt haben, weil es echt maximal nervt, ständig jemanden rauszulassen.“

„Okay, das tut mir leid, hab ich nicht gesehen…“

(Sie parkt direkt unter obigem Verkehrsschild.)

Dem Kollegen hinter mir ist dann aber doch noch kurz der Kragen geplatzt, er steigt aus, läuft dunkelrot an, holt tief Luft und staucht das Mädel zusammen:

„DAS IST EIN TAXIPLATZ!!! DAS IST U-N-S-E-R PARKPLATZ!!! IHR IDIOTEN SEID ALLE ZU BLÖD, SCHILDER ZU LESEN – UNVERSCHÄMT, FRECHHEIT!!! NUR WIR DÜRFEN HIER PARKEN, VERDAMMT NOCH MAL!!!!!!“

Puh, selbst ich stand kurz davor, für ihn den Platz zu räumen. 😉 Aber Recht hat er. Die parkt wohl nie wieder hier.

Dann rücke ich auf und stelle mich dicht neben einen Falschparker, damit ich nicht den ganzen Fahrradweg blockiere, als dieser die Fahrertür öffnet und sie mir dabei fast ins Auto rammt.

Ich, gebetsmühlenartig:

„Hallo, das ist ein Taxiplatz! Parken verboten.“

„Äh … ach so … Ja, stört Dich das denn?!“

„JA!?!“

„Hmmm. Das ist jetzt aber blöd, weil ich schon getrunken habe. Ich kann unmöglich hier wegfahren. Ich schlafe nachher auch im Auto. Ich dachte, es ist okay, weil hier alle parken.“

Da hat er natürlich nicht ganz Unrecht: ab fünf Falschparkern in einer Reihe verliert das absolute Halteverbot schließlich seine Gültigkeit… Aber ich hatte dann auch keine Lust mehr, mich mit einem besoffenen Vollidioten rumzustreiten. Ein Kampf gegen Windmühlen.

Wer sich mal ein (zugegeben schlechtes) Bild machen will:

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Das Halteverbotsschild befindet sich nicht im Bild, gut sichtbar sind dafür die vermeintlichen Parklücken und die TAXI-Bodenmarkierung. Ist mir ja unerklärlich, wie manche Leute da tatsächlich auf die Idee kommen, der halbe Meter zwischen Randmarkierung und Bordstein wäre zum Parken geeignet oder – noch schlimmer – gar vorgesehen.

So, und jetzt schreibe ich drei böse Briefe an die Taxizentrale, die Stadt und die Polizei und gehe danach zum Kickboxen, um mein emotionales Gleichgewicht wiederherzustellen. 😀

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Frau Weiß

25. Dezember 2012

Jeder Taxifahrer in und um Degerloch kennt Frau Weiß*. Auch ich kenne sie schon sehr lange. Erstmals begegnet sind wir uns vor vielen Jahren, es muss Mitte 2006 gewesen sein, also ganz zu Beginn meiner Taxizeit. Damals stand ich eines Nachts allein am Degerlocher Taxiplatz, als Frau Weiß an mein Fenster klopfte und Kleingeld für den Zigarettenautomaten erbat. Leider hatte ich kaum mehr Münzen und konnte ihren Wunsch nicht erfüllen, was ich ihr aber sehr freundlich mitteilte.

Doch damit war Frau Weiß ganz und gar nicht einverstanden und so folgten prompt lautstarke Flüche in ausländischer Sprache, worauf ich ja grundsätzlich tiefenentspannt reagiere, diese allerdings kombiniert mit heftigen Tritten gegen mein Auto, was ich nie so super finde und deshalb die Flucht ergriffen habe.

Jahre später. Wir haben tiefsten Winter. Eiseskälte. Schneegestöber. Frau Weiß hat sich einen Mantel übergeworfen und läuft sichtlich in Rage vor dem Taxiplatz hin und her. Ihr Mantel steht offen. Sie trägt nur diesen Mantel. Ich rutsche tiefer in den Sitz und flehe um einen Funkauftrag, den ich dann auch glücklicherweise erhalte.

Wiederum Jahre später. Frau Weiß steuert gut gelaunt auf mein Taxi zu. Leider erkenne ich sie immer erst, wenn sie den Mund aufmacht, doch dann ist es schon zu spät. Wir fahren in ihre – glücklicherweise nicht weit entfernte – Straße. Im Auto zieht sie sich halb aus, dreht das Radio auf und singt lauthals mit. Am Ziel angekommen fordert sie mich auf, auszusteigen und mit ihr zu tanzen. Bezahlen will sie erst, wenn wir getanzt haben. Langsam wird sie auch schon wieder ungemütlich und zerrt an mir herum. Ich warte auf einen günstigen Moment, ziehe die Beifahrertür von innen zu und fahre davon, während sie halbnackt über den Innenhof hüpft. Zurück am Taxiplatz bemerke ich, dass sie beim Aussteigen einen Fünf-Euro-Schein verloren hat.

Heute stehe ich erneut in Degerloch, bekomme einen Frauen-Nachttaxi-Auftrag der SSB und warte am Platz auf meine Kundin. Frau Weiß, resolut wie immer, betritt das Feld und startet direkt einen kleinen aufgeregten Disput mit einem anderen Kollegen. Da erkenne ich sie – allerdings wieder zu spät, denn auch sie hat mich schon gesehen.

„Nachttaxi?“

rufe ich ihr etwas ängstlich zu.

„Welcher Name?“

fragt sie argwöhnisch, als würde ich sie in die Falle locken wollen.

„Für Weiß…“

An meiner Spontanität muss ich noch arbeiten, ein anderer Name und es wäre so einfach gewesen… Meine Kollegen werfen mir mitleidige Blicke zu.

„Fahr mich bis fünf Euro, ich hab kein Geld!“

(Die SSB zahlt fünf Euro als Festpreis für die Anschlussbeförderung, was darüber hinausgeht, die Kundin – so zumindest der Plan).

Frau Weiß packt meinen Arm, fordert in gewohnter Feldwebelmanier einen mir unbekannten Radiosender (herrje, immer diese Extrawünsche, von denen sich kein einziger auf einem meiner zehn sorgsam ausgewählten Speicherplätze befindet…). Als er erklingt, ist sie wieder glücklich.

„Heute ist Weihnachten!!! Fröhliche Weihnachten! Ich will Dir was schenken!“

Wie wäre es mit Geld, denke ich.

„Das ist lieb, aber wirklich nicht nötig.“

„Doch, ich schenke Dir was! Gib mir Deine Karte, dann rufe ich an und schenke Dir was!“

„Ähm, ich hab leider keine Karte. Und ich arbeite heute auch nur ausnahmsweise…“

„Was machst Du sonst?“

„Büro…“

„Büro?“

„Büro!“

„Büro… Ich schenke Dir eine Vase. Fürs Büro. Da kannst Du eine Rose reinstecken. Und noch eine CD. Hast Du hier CD? Eine Frank-Sinatra-Weihnachts-CD. Wehe, Du gibst sie einem anderen! Frankie Boy die ganze Nacht!“

Widerspruch zwecklos.

Sie verschwindet im Haus, natürlich ohne den Restbetrag zu bezahlen, und ich überlege ernsthaft, ob ich wieder abhauen soll. Doch da kommt sie schon zurück und überreicht mir feierlich eine Vase, eine CD … und eine Packung Spaghetti.

„Frankie Boy und Spaghetti Bologneeeese!“

trällert sie lauthals in die Nacht hinein.

„Pssssst!“

mache ich und renne die Stufen runter.

„Du bist so süß!“

kreischt sie und will mich einholen. Ich bin schneller.

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 *Name geändert

PS: Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass ich von einem ganz liebenswert beschwipsten alten Opi Milkaherzen geschenkt bekommen habe.

Da nestelt er erst ewig in seiner Tasche rum und sagt dann: „Junge Frau, Sie brauchen jetzt keine Angst haben, wenn ich hier was heraushole, ich möchte Ihnen nur was schenken!“ Maximal süß! 😀


Man muss nur fragen

24. Dezember 2012

… dann gibt es sie, die großen Touren.

Ich stehe am Kronprinz und werde als eigentlich Zweite am Platz von zwei Männern mittleren Alters auserkoren, die sich leider nicht zum Ersten hin abwimmeln lassen wollten.

„Zum Brunnenwirt – gleich da unten, wir haben nur keine Lust mehr zu laufen, hehe.“

Solche Leute liebe ich ja.

„Sorry, ist jetzt leider keine weite Tour.“

„Macht nichts, das ist mein Schicksal heute.“

„Ach so – ja, brauchst Du denn noch ne längere Fahrt?!“

„Wäre schon schön. Mal sehen, was noch kommt.“

„… weil wir müssten nachher noch nach Hirschlanden.“

Nie gehört, also muss es weit draußen sein. Bingo!

Die beiden haben dann freundlicherweise binnen knackiger fünfzehn Minuten ihr Essen inhaliert (ich hätte allein für die Auswahl des Menüs so lange gebraucht…) und ab ging’s. Satte 50 € später rückt mein Feierabend erfreulich nahe.

„Schade, dass ich hier schon aussteigen muss“,

meint der Erste.

„Ja, das war jetzt echt die schönste Taxifahrt unseres Lebens!“

der andere.

Musste er aber auch sagen, nachdem er mich zum Thema „Was schenke ich meiner Frau kurzfristig zu Weihnachten?“ ins Kreuzverhör genommen hat und ich ihm erst mal die Konfektionsgrößen ausgewachsener Frauen erläutern musste, damit er nicht mit Anlauf ins Fettnäpfchen springt (er kannte nur Kindergrößen und geht am 24. noch ein Geschenk für seine Frau kaufen, das personifizierte Klischee). Da hab ich wohl mal eben die Scheidungsrate gesenkt – gern geschehen!

Auch niedlich fand ich das Résumé zweier Fahrgästinnen von neulich:

A: „Das war jetzt aber doch ne ganz schön lange Fahrt.“

B: „Ja, aber ging irgendwie auch voll schnell, oder?“ 😀

Ihr seht: nichts allzu Spannendes in letzter Zeit. Ich bin umgeben von dankbaren, Süßholz raspelnden Fahrgästen. Auch mal schön!

Und weil ich es heute im Taxi noch nicht oft genug sagen konnte, wie es quasi aus mir heraussprudeln wollte:

„Fröhliche Weihnachten!“ 🙂