Ohne Worte

20. September 2011

Wenn in einem gerade alles ein bisschen düster ist und man dann einen Fahrgast hat, der die ganze Fahrt über schweigt, so dass man ungestört seinen düsteren Gedanken nachhängen kann, und dieser Fahrgast sich im Spiegel der Sonnenblende skeptisch beäugt und am Ziel angekommen fragt, ob er denn so gut aussehe, weil er nämlich gleich ein Date habe, und man dann wortlos das Daumen-hoch-Zeichen macht und dazu ermutigend grinst und der Fahrgast sich nach dem Aussteigen noch mal ins Auto beugt und sagt: „Ach übrigens, Sie sind ein ganz liebes Mädel!“ dann ist plötzlich alles gar nicht mehr so düster…

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Weniger ist …

19. September 2011

manchmal eben einfach nicht genug.

Normalerweise wird Kommunikation im Taxi eher groß geschrieben, empfinden viele minutenlanges Schweigen auf engem Raum doch allzu schnell als unangenehm.

Ich hingegen sehe das eigentlich relativ entspannt, schließlich bin ich auch nicht die Smalltalkqueen, und habe daher schon viele lautlose Taxifahrten hinter mich gebracht ohne diese als frostig oder gar unfreundlich in Erinnerung zu behalten. Mein Motto hier: Mit wem man nicht schweigen kann, mit dem sollte man auch nicht reden. 😉

Der Großteil meiner Fahrgäste ist aber natürlich sehr wohl gesprächig oder mitteilsam (da besteht im Taxi durchaus ein Unterschied: Klappe halten und zustimmendes Nicken kann für den vom Fahrgast gewünschten „Dialog“ mitunter vollkommen genügen), darum soll es heute allerdings nicht gehen.

Denn nicht nur im Taxi, sondern auch ums Taxi herum kann dürftiges Ausdrucksvermögen zu Missverständnissen führen. Und den Schuh muss ich mir hier wohl anziehen:

Abholung in der Bernsteinstraße in Heumaden.

Ich fahre an, blicke lustlos in Richtung des nicht befahrbaren Zugangs zum Hinterhinterhinterhauseingang und warte die obligatorischen zwei Minuten ab, bevor ich mich auf den beschwerlichen Weg zur Haustür mache.

Ein verschlafenes

„Mmmmmm?“

vernehme ich aus der Sprechanlage und jetzt leiste ich ihn mir: meinen Bequemlichkeits-Fauxpas. Bis vor einigen Jahren hätte ich noch ganz charmant so etwas wie „Ihr Taxi ist da!“ oder „Sie hatten ein Taxi bestellt?“ geflötet, heutzutage beschränke ich mich auf das Wesentliche und sage schlicht:

„Taxi.“

„Ja… Danke!“,

heißt es und ich sprinte zum Taxi zurück, um die Uhr zu starten. Jede Sekunde zählt. Aus Sekunden werden allerdings Minuten und 6,80 € später stelle ich mich schon langsam auf die Waaaas-schon-soooo-viiiieeel-wir-sind-doch-noch-gar-nicht-losgefahren-Diskussion ein, aber nach wie vor ist kein Fahrgast in Sicht.

Zurück an der Klingel wecke ich, so könnte man meinen, meinen möglichen Fahrgast erneut aus dem Tiefschlaf und sage:

„Ja, äh, hallo, ich wollte nur noch mal Bescheid geben, dass ich unten warte. Dauert es denn noch länger?“

Den Zusatz „oder brauchen Sie kein Taxi mehr?“ habe ich mir wohlweislich verkniffen. Stelle niemals einen unentschlossenen Fahrgast vor die Wahl.

„Wer ist denn da?“

Oh Gott, habe ich mich vorhin etwa verklingelt? Bye-bye vergütete Wartezeit.

„Ähm, Sie hatten doch ein Taxi bestellt?! Ich hab vor über zehn Minuten schon mal geklingelt.“

„Ach so, das heißt, wir können dann fahren? Ich wusste jetzt nicht… Weil Sie nichts weiter gesagt haben, wissen Sie?!“

Ups. Na gut, in Zukunft läuft das bei mir so:

„Guten Tag, mein Name ist Mia und ich bin die Fahrerin desjenigen Taxis, das Sie vor fünfzehn Minuten unter (0711) 55 10 000 bei der Taxizentrale Stuttgart geordert haben.

Das Taxi, Marke Mercedes-Benz, klassisch elfenbeinfarben gehalten, mit roter Pizzeriawerbung, steht in zwanzig Meter Entfernung östlich von Ihrer Haustür und ist ab sofort zur Abfahrt bereit.

Vielen Dank fürs Bestellen, Mitfahren, Bezahlen und das großzügige Trinkgeld im Voraus. Bis gleich dann. In verbindlicher Erwartung: Ihre Taxifahrerin.“

Glücklicherweise hatte der junge Mann, der zum Fasanenhof auf eine Taufe wollte, noch genug unchristlichen Restalkohol im Blut, so dass ihm die 7,80 € nicht weiter auffielen. Die Retourkutsche gab’s allerdings prompt Ecke Kirchheimer Straße/Schemppstraße, als ihm einfiel:

„Bitte Stop hier, ich fahre doch lieber mit der U-Bahn.“

Grrrrrrrrrrr.

Andererseits: Noch nie habe ich so viel Geld (Trinkgeld gab’s sogar auch mit der netten Begründung: „Hier, für Dich, weil Du so gut gefahren bist!“ – Yeah, eine Runde um den Block unfallfrei überstanden!) mit so wenig gefahrenen Metern verdient.

Zurück am Platz in Sillenbuch wussten die Kollegen beim verregneten Herbsteinbruch wohl auch nicht so recht, wohin mit sich. Und so standen wir in trauter Neunsamkeit wie sonst nur am Silvesterabend und harrten hoffnungsvoll der Dinge, die da kommen mögen:

(Ist das nicht ein schöner Anblick? Der Taxi-Entzug war schrecklich. ;))