Yes, we can!

24. November 2010

Oh, can we? Was Taxifahren betrifft, wäre ich mir da mal nicht so sicher.

Monatelang hat man seine Ruhe und dann… okay, mieser Anfang. Neuer Versuch: Ich hab nichts gegen unsere Amis, wirklich nicht. Schon besser. 

Stuttgarts drei Kasernen sind, was wohl in der Natur der Sache liegt, alle äußerst dezentral gelegen und deshalb jedes Mal eine schöne Fahrt. Trinkgeld gibt es zwar praktisch nie – hab noch nicht eruiert, ob das an meiner Wenigkeit liegt oder vielmehr an der amerikanischen Mentalität (aber heißt es in Kinofilmen nicht immer „keep it“?) -, doch neben den vielen Studenten und Intellektuellen, die alle rund um den Hölderlin- oder Rosenbergplatz im Stuttgarter Westen leben und deren Heimfahrt aus der Innenstadt generell nicht mehr als 6,50 € kostet, sind die Militärs eine gern chauffierte Abwechslung.

Sofern man nicht gerade Fahrgäste im Taxi hat, die sich wie die Axt im Walde aufführen. Weder will ich eine ganze Nation in Misskredit bringen, noch die Deutschen über den grünen Klee loben, aber Letztere haben in einem Taxi (meistens) immer noch Respekt vor fremdem Eigentum und wertschätzen außerdem (meistens) den dazugehörigen Dienstleister als gleichwertiges Mitglied der temporären Zweckfahrgemeinschaft. Und so sollte es doch eigentlich auch sein. Als Taxifahrer bei den Amis hingegen ist man sofort unten durch, so zumindest mein Eindruck, wobei ich mich jederzeit gerne eines Besseren belehren lasse.

Meine bisherige Erfahrung lässt sich wie folgt zusammenfassen: Wenn man nicht komplett ignoriert wird, wird man blöd angemacht oder herumkommandiert. Und wenn man derart unangenehme Fahrgäste endlich abgesetzt hat, darf man auch noch Kaugummi von der Scheibe kratzen, halbvolle Bierflaschen aus dem Fußraum und Fastfoodreste vom Rücksitz entfernen. Da kommt Freude auf.

Zu allem Überfluss stellt man dann noch fest, dass die Münzen, die man in die Hand gedrückt bekommen hat, nicht annähernd dem Fahrpreis gerecht werden und während man sich über seine verdammte Gutgläubigkeit („Wird schon stimmen, verschwindet endlich!“) aufregt, findet man bei oben erwähnter Putzaktion einen 20-€-Schein. Immerhin, das Böse darf nicht siegen. 😀

Aber eigentlich wollte ich von ein paar ganz unterhaltsamen multilingualen Szenen berichten: 

Zwei Amis steigen am Taxiplatz Theodor-Heuss ein und wollen zu den Kelley Barracks nach Plieningen. Ich betreibe, geheuchelt interessiert wie ich bin (Spaß!), ein Bisschen Smalltalk und frage, ob sie einen schönen Abend hatten. Hätte ich mal besser meine Klappe gehalten.

Als Antwort kam prompt:

„No, we had the most horrible night ever. Germans hate us. Germany sucks. Stuttgart sucks. I will tell everyone I know, Stuttgart hates Americans.“

Ich voller Inbrunst:

„Oh, äh, no, that’s not true! I looove Americans!“ 😀

Widerspruch zwecklos.

Ami: „Yeah, but I will tell everyone, Stuttgart sucks. Germany hates America. We should get you down.“

Tja, und so hat Amerika Deutschland den Krieg erklärt. Schade. Und alles nur, weil die beiden nicht in einen angesagten Club kamen.

Ich meine: Zwei ältere Männer ohne weibliche Begleitung, angetrunken, im Casual-Style mit Shirt und uralten Sneakers – wie kann das sein…?!

Er meinte die Antwort zu kennen:

„Because we are Americans and for some reason Germans HATE us.“

Mist, er hat uns durchschaut.

Nächste Fahrt:

Typ steigt ein:

„Mässahotel“.

 Ich denke: ??? … Ah, Messehotel. Nur welches?

Er hat ein paar nonexistente Straßennamen vor sich hingemurmelt bis ihm dann einfiel:

„Mercure!“

Na dann, klare Sache. Ist ja nicht so, dass das ’ne Kette wäre oder so. Eine Karte des Hotels hatte er auch nicht und rund um die Messe gibt es dann doch noch das ein oder andere Mercure. Die Zentrale konnte auch nicht weiterhelfen und als ich mich erstmals im Dilemma „schon losgefahren, aber kein konkretes Ziel gewusst“ sah, machte er  aus seinem Bartgebrummel im breitesten Amerikanisch ein 

„Swärtstrase“.

Als frühere Wahlböblingerin klingelte es da bei mir. Er meinte das Mercure in Sindelfingen.

Und mit „Messe“ nicht die Stuttgarter, sondern die „Kleine Messe Sindelfingen“. Das hätte ich aber auch mal ahnen könnnen, nicht wahr? Scherzkeks.

Aber zum Abschluss mein persönliches Highlight in Sachen Völkerverständigungsproblematik, jedoch vorab zwei Hinweise:

  1. Nahezu alle Taxifahrer sprechen (oder verstehen) Englisch. Vielleicht nicht perfekt genug, um sich über die neuesten Erkenntnisse in Luft- und Raumfahrttechnik auszutauschen, aber doch zumindest ausreichend gut, um die üblichen Fahrziele identifizieren und problemlos anfahren zu können.
  2. This being said: Deutsche Begriffe einfach amerikanisch auszusprechen ist NICHT hilfreich.

Ein junges Paar steigt ein. Sie wirft mir ein

„Pänsörkäsörny!“

zu und steckt ihrem Begleiter die Zunge in den Hals.

Ich denke: Äh, Moment, wohin?! Ratter, ratter… Du kannst doch jetzt nicht dazwischenquatschen, das wäre hochgradig ent-erotisierend. Penserwas? Denk‘ nach. Ist das eine Straße? Ein Club? Eine Stadt?

Ich starte die Uhr und rolle vor lauter Hilflosigkeit schon mal los (Notiz an mich selbst: Das wird irgendwann noch mal ins Auge gehen).

Ich flüsternd, um die Stimmung zu erhalten:

„Sorry, where do you wanna go?“

Sie verständnislos: 

„Pänsörkäsörny. Pänsörkäsörny. P-ÄÄÄ-N-S-Ö-R-K-Ä-S-ÖÖÖ-R-N-Y!“

Kleine Zwischenfrage an die Stuttgarter: Wisst ihr’s schon?

Ich denke: „Oh Gott, was ist das? Sollte ich das kennen? Ich sollte wohl, wenn sie schon so vorwurfsvoll guckt. Oh nein, ich bin der schlechteste Taxifahrer der Welt!“

Ich sage: „?!?“

Als sie gerade entnervt aussteigen wollen, starte ich meinen letzten Versuch:

„Wait, explain. Talk to me in English!“

Sie: „Uhm… Barracks?“

Der Groschen fiel. Und so fuhr ich nach Böblingen – zur Panzerkaserne. Warum einfach, wenn’s auch umständlich geht?

Nach diesem nervenaufreibenden Beitrag zur Globalisierung liegen mit Blick auf meine persönliche Statistik und einer Portion Glück nun auch hoffentlich wieder ein paar Schichten ohne diese ganz besonderen Fahrgäste vor mir. Aber wie dem auch sei, ans Ziel sind sie alle gekommen. In diesem Sinne: This makes me so easily nobody after!

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Es ist unmöglich … Toyota!

19. November 2010

Nachdem mich meine Kollegin heute Mittag fragte: „Na, haste mal wieder geblööökt?“, mache ich das doch glatt:

Zwar nur kurz, aber dafür schwer entsetzt mit einer Nachricht von der Front, als ich eben nichts Böses ahnend in mein E-Mail-Postfach schaue und folgende Mail meines Stellvertreterchefs vorfinde:

Um das wahre Ausmaß der Katastrophe zu erfassen, lese na gut, überfliege man an dieser Stelle bitte zunächst diesen Eintrag vom Oktober.

 

Und jetzt kommt’s:

„Hallo Mia, bald gibt es dann für den [Ordnungsnummer] ein neues Auto (Toyota Avensis Kombi, da wahrscheinlich besser als B-Klasse).“

 

 

 

Ähm, Entschuldigung: Pest oder Cholera?!

„Wahrscheinlich besser als B-Klasse“ – hahaha, das klingt mir aber nach einer sehr halbherzigen Einschätzung, Chef! Okay, die B-Klasse ist zweifelsohne ’ne Krücke, aber immerhin (noch sowas wie) ein Mercedes.

Ich meine, wir sind hier in Stuttgart! Porsche muss es ja nicht mal sein (wobei, so ein Panamera…), aber Mercedes ist die absolut einzige vernünftige Alternative. Wie kann ich denn in Stuttgart – einer der deutschen Autostädte schlechthin – guten Gewissens einen Japaner fahren?!

Nee, nee, das geht alles nicht. Ich glaube, ich muss sterben. Oder wahlweise kündigen? Nein, das bringe ich nicht übers Herz. Deshalb brauche ich jetzt Mitleid. Und zwar ganz, ganz viel. Denn sehr bald gibt es für mich nur noch Häme von meinen zu 95% meine Zunft bestimmenden Daimler fahrenden Kollegen.

Oder können wir das Ganze rückgängig machen und ich fahre die E-Klasse einfach immer im Notlauf?

Von der E-Klasse zum Toyota – was für ein Abstieg. Ich will mein Baby zurück. 😦

PS: Falls ihr demnächst in ein Taxi steigt und der Fahrer hat eine Tüte über dem Kopf, dann bin ich das wohl. Und verzeiht mir meine Theatralik, aber ich stehe noch unter Schock und werde mich bestimmt bald freuen wie eine Schneekönigin, denn Toyota ist total super, sogar viel superer als Mercedes, richtig? RICHTIG???

PPS: Knappe 24.000 Besucher – kommt in meine Armee! 😀

PPPS: Neulich den ersten via Blog geworbenen Kunden chauffiert und nächstes Wochenende gleich wieder einen. Ihr seid so cool! Ob ihr wohl noch mit mir fahren wollt, wenn ich erst mal den Toyota habe…?


Nein, ich blogge jetzt nicht täglich …

13. November 2010

… aber das muss ich dann doch erzählen. 😉

Eine Fahrgästin eine Tour zuvor, als wir uns gerade mühsam durch die neuerdings samstagstypische Stuttgarter-Innenstadt-Demo21-Shopping-Rush-Hour quälen:

„Ganz ehrlich, ich bewundere Sie. Sie fahren so souverän und überhaupt nicht angenervt. Ich würde ja total ausrasten bei diesen ganzen Geistesgestörten hier!“

Ich: „Ach, wenn ich mich jedes Mal aufregen würde, müsste ich eines Tages an einem Magengeschwür sterben, also hab ich mir das abgewöhnt. Außerdem bringt man mich generell nicht so schnell aus der Ruhe.“

Ha, von wegen. Ich revidiere meine Aussage. Meine folgende Fahrgästin hätte ich an der nächsten Bushaltestelle am Liebsten aus dem Taxi gekickt. Aber lest selbst:

16.42 Uhr:

Anfahrt am Abholort. Vorbestellung auf 16.50 Uhr. Ich warte.

16.43 Uhr:

Die Gardinen wackeln verdächtig.

16.49 Uhr:

Einstieg der Fahrgästin.

Sie empört: „Warum haben Sie denn nicht geklingelt???“

Ich gelassen: „Guten Abend erstmal. Weil Sie vorbestellt haben, es erst seit fünf Sekunden 16.50 Uhr ist und die meisten Fahrgäste erfahrungsgemäß etwas unwirsch reagieren, wenn man schon vor der Zeit klingelt.“

Sie nur bedingt versöhnt: „Aha. Und wie lange läuft die Uhr jetzt schon???“

Ich: „Ich hab sie eben angemacht, als wir losgefahren sind.“

Sie nicht überzeugt: „Und warum stehen da dann schon 3,00 € drauf???“

Ich denke: „Das ist die Grundbeförderungsgebühr. Und sei mal froh, dass der 1,00 €-Zuschlag für Abholungen vor einiger Zeit weggefallen ist – der hätte Dich wohl in den finanziellen Ruin getrieben.“

Ich sage: „Das ist die Grundbeförderungsgebühr.“

 … Stille …

Bei 9,90 €: 

Sie absichernd: „Die Taxitarife sind ja schon von Stadt zu Stadt unterschiedlich, oder???“

Ich: „Ja, so ist das.“

Sie vorwurfsvoll: „Ich bin nämlich kürzlich in Lübeck Taxi gefahren, da konnte ich für 10,00 € fast eine Stadtrundfahrt machen!!!“

Ich denke: „Dann geh doch zurück nach Lübeck.“

Ich sage: „Ich war zwar noch nie in Lübeck, aber entweder ist die Stadt so klein, dass man für 10,00 € tatsächlich einmal durch die Innenstadt kommt (erscheint mir jetzt aber so ein Biiisschen unrealistisch) oder der Tarif ist dort entsprechend niedrig. Aber es gibt ja auch noch viel teurere Taxistädte, so zum Beispiel München oder Köln (Vermutung). Aber Sie haben schon Recht, Stuttgart ist ein teures Pflaster, hm hm (mitfühlender Tonfall – man will sie ja versöhnen).“

… Stille …

Bei 12,40 € in einem kleinen Ampelrückstau: 

Sie außer sich: „Warum läuft die Uhr denn weiter? Wir stehen doch gerade?!“

Ich denke: „Arrrrgggghhh, dann fahr doch mit dem Bus, der fährt vor Deiner Haustür ab und hält nur zwanzig Meter vom Zielort entfernt, Du §!$%&!!!“

Ich sage: „Meine Zeit kostet Sie leider auch ein Bisschen was, die Uhr läuft aber wesentlich langsamer als während der Fahrt. Und jetzt geht es ja auch schon weiter, sehen Sie?“

Bin ich nicht ekelhaft nett? 😀

An der nächsten Ampel:

Sie: „Können Sie die Uhr nicht mal ausmachen??? Ist ja schon teuer genug!!!“

Ich ignoriere diese Bitte Dreistigkeit.

Bei 16,50 €:

Sie kopfschüttelnd: „Für 21,00 € komme ich zum Hauptbahnhof und ich will doch nur in den nächsten Stadtteil. Irre…“

Bei 18,80 € und Ankunft am Zielort.

Sie gönnerhaft: „Naaa, dann machen Sie mal 19,00 €!!!“

Ich war ehrlich erstaunt. Und habe kurz darauf direkt Feierabend gemacht. Hab mich nicht mehr sicher gefühlt mit so viel Geld in der Tasche. 😉

Meine zu Beginn erwähnte andere Fahrgästin fuhr übrigens für 38,00 € ans andere Ende der Stadt (Gruß nach Lübeck) und gab mir gut gelaunte 4 € Trinkgeld. Es gibt halt sodde und sodde, seufz.


Fly me to the moon

11. November 2010

Eigentlich bin ich wenig von mir selbst überzeugt, im Gegenteil, meistens bin ich überzeugt davon, rein gar nichts zustande zu bringen, aber wenn ich doch eines kann, dann: Autofahren! Jawoll. Hab ich tief in meinem Innern zwar schon immer gewusst, aber meine Kundschaft scheint es ähnlich zu sehen. Gleich sechs tolle Komplimente an einem Wochenende, das muss natürlich schriftlich festgehalten werden.

  1. „Wir haben schon gemerkt, Stuttgarter Taxifahrer fahren sportlich!“ Hab ich mal positiv gedeutet. Eigentlich wollte ich nur den voraus fahrenden Kollegen, der den anderen Teil der Truppe chauffiert hat, nicht verlieren – aber so oder so haben sie natürlich Recht.
  2. „Holla, für ’ne Frau echt nicht schlecht. Die Strecke fährst Du aber auch öfters, was?“ Sprachs auf der Neuen Weinsteige. In der Tat, die Strecke ist die Verbindung zwischen Stadt und Flughafen, fährt man demnach öfters mal (weshalb auch der immer wieder nett gemeinte Hinweis „Achtung, da kommen gleich Blitzer!“ so ein Bisschen … gääähn ist). Die Weinsteige ist für mich jedenfalls sowas wie die Porscheteststrecke, nur ohne Porsche und Test, einfach Spaß an der Freude – könnte ich blind fahren. Blöderweise behindern die beiden neu installierten zusätzlichen Blitzer, die schön über die ganze Strecke verteilt wurden, ein klitzekleines Bisschen meinen Fahrstil. Hmpf.
  3. Abholung in den frühen Morgenstunden beim Ibis-Hotel am Marienplatz. Junge Amerikanerin springt rein und meint nur: „RUN to the airport!!!“ Tja, was will man machen? Kunde ist König und ich beuge mich seinem Willen. Hier kam dann auch wieder die bereits erwähnte Weinsteige ins Spiel und ich hab mich ein wenig wie eine Heldin gefühlt, als wir gefühlte zehn Minuten später am Flughafen standen und sie mir mit einem „Thank you soooo much!“ freudig um den Hals fiel.
  4. Ältere Dame steigt abends in Birkach ein, wir gondeln gemütlich los und so nach fünf Minuten fragt sie beiläufig: „Junge Frau, mein Zug fährt in zwölf Minuten – meinen Sie denn, das schaffen wir noch?“ Ich liebe Herausforderungen. Geschafft hat sie es aber dennoch nicht, zwar waren wir nach 11 Minuten tatsächlich am Bahnhof („Das haben Sie jetzt aber gut gemacht, hätte ich nicht gedacht, dass wir überall so durchflutschen!“), aber wie sie dann in aller Seelenruhe Richtung Haupteingang geschlurft ist, war mein „Wer später bremst, ist länger schnell“-Verhalten totaaal umsonst. Der Zug ist wohl abgefahren. Höhö. 😉
  5. Nachts auf der Theo(dor-Heuss-Straße) hat man immer den Eindruck, man ist umgeben von Idioten: Unterbelichtete unbeleuchtete Fußgänger torkeln rennen meist völlig unkontrolliert über eine vierspurige Straße. Gerade 18 gewordene Lowbrainer versuchen sich gegenseitig in ihren getunten VW Polos abzuziehen. Die Polizei sperrt regelmäßig die einzige U-Turn-Möglichkeit vorne in der Friedrichstraße, wohl um den auf Action erpichten Zuschauern die Show zu stehlen, sodass man schon mal eine Viertelstunde an der Ampel anstehen muss, was den Fahrgast in aller Regel und völlig zu Recht doch sehr in Rage bringt. Long story short: Wenn man gegen 4 Uhr früh die Strecke vom Rotebühlplatz bis zum Hauptbahnhof ohne Auffahrunfälle, Passanten auf der Motorhaube oder sonstige Zwischenfälle überstanden hat, ist man schon mal gut. Noch besser fand ich da den Spruch meines männlichen Fahrgastes: „Ich will ehrlich sein, ich bin schon ein Bisschen chauvinistisch veranlagt, aber Frauen können einfach nicht Autofahren. Generell können Menschen einfach nicht Autofahren. Und deshalb dürfen Sie sich auch geehrt fühlen, wenn ich Ihnen sage, dass ich die Fahrt mit Ihnen nicht nur sehr genieße, sondern mir nebenher sogar ein Organ transplantieren lassen würde.“ 
  6. Auch wieder mitten in der Nacht auf der „Stadtautobahn“ (ich hab keine Ahnung, was eine „Stadtautobahn“ sein soll, „Autobahn“ assoziiere ich mit mindestens 120 km/h und eigentlich ist es ja sowieso keine Autobahn, sondern nur eine Stadtbundesstraße, klingt aber nicht so cool und meine Schwester sagt immer „Stadtautobahn“ und deshalb sage ich das eben auch) – doch eigentlich befinden wir uns zum Zeitpunkt des Geschehens auf der Hauptstätter Straße also known as „B14“ :D. Meine Fahrgästin ist nicht gerade der kommunikative Typ, wohl auch etwas melancholisch-sentimental angehaucht, wie sie so die ganze Fahrt über aus dem Fenster starrt, als sie mich plötzlich ganz verzückt ansieht und mit strahlenden Augen verkündet: „Mit Ihnen zu fahren fühlt sich an, als würde man fliiiiegen!“

Hach, das hört man doch gerne.

Und zu eurer Information: 0 Punkte in Flensburg. 😀


Resozialisierung geglückt

10. November 2010

Nachdem mich die alljährliche Herbstgrippe niedergestreckt hat und ich hier trotz der täglichen ein schlechtes Gewissen machenden motivierenden 300 Seitenaufrufe optimistischer Lesewilliger über zwei Wochen durch Abwesenheit geglänzt habe, war ich am Wochenende nun endlich mal wieder nachts unterwegs und habe euch auch eine nette (und lange, ja ja, ich weiß) Geschichte mitgebracht:

Rückblende ins Jahr 2009. Wir schreiben Anfang August und mein Kollege, der eigentlich regelmäßig nachts fährt, wenn er nicht gerade frei haben will und ich einspringen kann, darf über den Sommer seinen Führerschein abgeben. Opportunistisch, wie ich eben bin, hab ich die Gelegenheit beim Schopfe gepackt und mir direkt mal sämtliche frei gewordenen Nachtschichten unter den Nagel gerissen.

Eines Samstagnachts stehe ich also am Taxiplatz „Kronprinz“ am Rotebühlplatz. In der Nachtschicht war das über viele Jahre einer meiner Lieblingsplätze, zumindest damals, als er noch (Mist, ich hab kein räumliches Vorstellungsvermögen) geschätzte 50 (oder halt sehr viel mehr oder weniger … stellt euch eben ganz, ganz viele Taxis auf einem Haufen vor) Taxen im U fassen konnte und man, wenn’s gut lief, nach zehn Minuten schon an erster Stelle war.

Inzwischen wurde das U zum Zwecke einer weiteren – gänzlich überflüssigen, wie ich finde, aber mich fragt ja keiner – Bushaltestelle um eine Seitenlänge kastriert, sodass wir faktisch nur noch ein I an Stellfläche haben, was zur Folge hat, dass in den frühen Morgenstunden die Taxis gerne mal knapp werden, weil man sich nirgendwo anstellen kann! Danke, Stadt Stuttgart. Wenigstens ist euch nach einigen Tagen doch mal aufgefallen, dass Taxifahrer zwar generell verdammt viel auf dem Kasten haben, aber trotzdem auch nicht um die Ecke gucken können, und so wenigstens ein Straßenspiegel angebracht wurde, damit man auch aufrücken kann, ohne erst aussteigen und nachsehen zu müssen.

Falls sich der ein oder andere Stuttgarter wundert: Wir stehen also nicht aus Spaß an der Freude neuerdings kreuz und quer in der Kronprinzstraße rum, und die Beschwerden von Autofahrern, die wegen „uns“ nicht aus dem Parkhaus kommen, sehe ich in dem Zusammenhang auch eher als Kollateralschäden denn als böswilliges Frustablassen, aber … ich schweife ab. 😉

Zurück zu jener Nacht, die schon fast vorbei war. Ich stand ungefähr an dritter Stelle, als gegen 4 Uhr drei Jungs ans Fenster klopften und mich fragten, ob ich Winnenden kenne. Große Kreisstadt in 20 km Entfernung. Sollte man als Taxifahrer kennen, ne? Folglich: Kannte ich. Ob ich auch Leutenbach kenne. Kleines Kaff daneben. Kannte ich. Ob ich Weiler zum Stein kenne. Boah, Kinners, kommt endlich zum Punkt! Noch kaffiger. Aber kannte ich ebenfalls! Ob wir pauschal 45 € machen könnten. Konnten wir – hätte mit Uhr vielleicht 1 € mehr gemacht, wenn überhaupt. An dieser Stelle sei gesagt, dass ich, wenn ich von „Pauschalfahrten“ schreibe, die Uhr bis zum vereinbarten Preis laufen lasse und dann eben abstelle. Ist also nicht so, dass ich meinen Chef betrügen und das komplette Geld einstreichen würde.

Die drei sind eingestiegen und wenn ich was so gar nicht leiden kann, dann dieses primatenähnliche, ungestüme Verhalten: Einsteigen, Kopfstützen befummeln, Sitz vor- und zurück-, hoch- und runterstellen, Fenster aufmachen. Und das alles natürlich binnen der ersten fünf Sekunden! Aber der Alkohol entschuldigt schließlich so manches und solange mir um diese Uhrzeit niemand ins Taxi kotzt, bin ich ja grundsätzlich sowieso erst mal unendlich dankbar. Die Jungs waren jedenfalls gut angeheitert und haben sich, wie unter Freunden so üblich, die Fahrt über ausgiebig beschimpft („Du bist so ein Spasti! So ein Spasti! Hahaha. Was für ein Spasti Du bist, Du … Spasti!“).

Ich hab zwar diesem niveauvollen Gespräch als auch den kaum weniger intellektuellen folgenden nur mit einem Ohr zugehört, wie man halt so zuhört, wenn’s nicht anders geht, aber selbst das eine Ohr hat sich im weiteren Verlauf dann doch noch als ganz hilfreich erwiesen.

Nun, wir passieren gerade das Ortseingangsschild in Weiler, als er kam: Der Satz, den alle Taxifahrer fürchten. Okay, ich zumindest, das war mir einfach noch nie so ganz geheuer: „Wir haben aber kein Geld dabei und müssen deshalb erst kurz bei der Bank halten!“ Als wir gerade von der Hauptstraße Richtung Bank abbiegen, kommen wir noch an einem Fußgängerpärchen vorbei und mein gehässiger kleiner Beifahrerfreund: „Ach nee, guck mal, der [Nachname] mit seiner Ollen. Was laufen die denn da so behindert rum? Hahaha.“

An der Bank angekommen, meinte der eine zu seinen beiden Kumpels auf dem Rücksitz:

„Ach, kommt, ich zahle jetzt einfach alles und ihr gebt mir nachher das Geld, dann laufen wir von hier aus.“

 Er zu mir: „Wie viel bekommst Du noch mal?“

 Ich: „45 € haben wir gesagt.“

 Er: „Alles klar.“

Die Türen gehen auf – und weg waren sie.

Ich stehe am Hang in der falschen Richtung, Motor war aus zwecks geplantem Bankzwischenstopp, alle drei Türen sind offen. Ja, ich denke, man kann sagen, ich bin vor Hass implodiert.

Von den Idioten kannte ich nur zwei Vornamen und genau angeguckt hab ich gleich gar keinen (nicht ganz meine Zielgruppe ;)). Die Kohle hab ich abgeschrieben. Aber da waren ja noch die beiden Fußgänger, die ich gesucht und gefunden habe! Glück muss man haben, dass in diesem Kaff um halb fünf Uhr morgens überhaupt noch Leute unterwegs sind und dann auch noch ausgerechnet zumindest Bekannte von meinem Beifahrer, dessen Vornamen ich wusste.

Die beiden, übrigens sehr sympathische junge Leute und das Mädel hatte gleich ganz viel Mitleid mit mir, haben zwar drei Typen in verschiedene Richtungen davonrennen sehen, aber keinen erkannt. Einen [Name des Beifahrers] kannten sie jedoch von der Schule und der wohnte auch gleich eine Straße weiter. Zufällig die Richtung, in der einer der Jungs verschwunden war. Den Nachnamen hab ich mir notiert und dann die Polizei gerufen, die auch kurze Zeit später kam, sich die Geschichte angehört hat und mich in ein paar Tagen für die Zeugenaussage kontaktieren wollte.

Als ich gerade wieder in Stuttgart war, hat mich einer der Beamten (an die weiblichen Leser: frappierende Ähnlichkeit mit Jason Statham!) angerufen und meinte, sie stünden hier gerade im Wohnzimmer des Elternhauses vom Tatverdächtigen (es war 5.30 Uhr – geile Aktion, einfach mal auf Verdacht Leute wachgeklingelt :D), ob dieser denn einen Vollbart gehabt hätte. Ich sah meine Felle davon schwimmen, er war es wohl nicht, ein Vollbart wäre mir dann doch aufgefallen. Verdammt!

Ein paar Tage später, ich habe bereits meine Zeugenaussage gemacht und mal auf gut Glück Strafantrag gegen unbekannt gestellt, surfe ich so ein Bisschen durch die einschlägigen Social Communitys und BÄÄÄM – wen finde ich?! Mein Beifahrer war mit dem falschen Tatverdächtigen (der übrigens während seiner Vernehmung angab, keinen anderen mit diesem Vornamen zu kennen – grrrr!), „befreundet“ und so führte dann eins zum anderen. Alle drei haben gegenüber der Polizei gestanden, mir eine herzzerreißende (nicht wirklich) Entschuldigungs-SMS geschickt und je 20 € überwiesen. Oder besser gesagt: In zwei Fällen hat Papi überwiesen, ha ha. Der einzige, der mir dann noch einen Strich durch die Rechnung gemacht hat, war der zuständige Staatsanwalt und seine Affinität zum § 153 StPO (müsst ihr jetzt nicht googeln: Einstellung wegen Geringfügigkeit). Hmpf.

November 2010: Ich warte wieder mal am Rotebühlplatz, einer meiner Lieblingskollegen steht vor mir und meine drei Nachtschwärmer (zumindest mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit) steigen bei ihm ein. Ich hab ihm eine SMS geschickt, dass ich seine reizenden Fahrgäste kenne und er sich ganz entspannt an mich wenden soll, falls sie bei ihm denselben Scheiß abziehen. Haben sie nicht.

Gut, könnte zwar daran gelegen haben, dass mein Lieblingskollege eine Statur von zwei auf zwei Meter hat und rein optisch – ich hatte immer Schiss vor ihm, als ich ihn noch nicht kannte – durchaus ein Mitglied der italienischen Mafia sein könnte, aber ich glaube mal an das Gute im Menschen…

PS: Noch eine traurige Nachricht zum Schluss: Mein Taxi ist von mir gegangen. Dabei war es noch so jung und ich konnte mich gar nicht richtig verabschieden, aber – wie schon im letzten Blogeintrag vermutet – der Praxistest ist gescheitert. 😉 Mal sehen, was sich mein Chef jetzt für ein Auto andrehen lässt. Hoffentlich eins, das länger als zwei Wochen am Stück fahrtüchtig ist. Und bis dahin muss ich mit einer B-Klasse fahren. B!!! Das Leben ist nicht fair.