Taxi parisien

28. März 2011

Wie ich irgendwo schon mal geschrieben habe, bringt unsere Taxizentrale (TAZ) alle zwei Monate ein Taximagazin heraus:

Meist interessiert mich der Inhalt zugegebenermaßen eher weniger, als ich jedoch neulich in der aktuellen Ausgabe blätterte, hat mich ein Artikel über eine nächtliche Kontrolle in Stuttgart gleichermaßen schockiert wie amüsiert, den ich euch natürlich nicht vorenthalten will.

„Am Samstag, den 15. Januar 2011 befanden wir uns nach Absprache mit dem zuständigen Vorstand mal wieder auf einer Kontrolltour.

Im Verlauf unseres Einsatzes erhielten wir von einem Kollegen den Hinweis, dass er ein Fahrzeug mit einem merkwürdigen Taxischild auf dem Dach beobachtet hat. Wir fuhren sofort zu dem angegebenen Standort, um uns von dem Geschilderten selbst zu überzeugen. Bei der Anfahrt zur angegebenen Örtlichkeit begegnete uns das vom Kollegen beschriebene Fahrzeug. Wir machten einen U-Turn und konnten das „Taxi“ an der nächsten Ampel stoppen.

In dem Fahrzeug saßen außer dem Fahrer noch ein junger Mann und drei Mädchen. Auf unsere Bitte stiegen die „Kunden“ aus und erklärt sich bereit, als Zeugen auszusagen.

Das japanische Fahrzeug hatte weder eine Taxiuhr noch war eine Ordnungsnummer angebracht. Des Weiteren gab es kein Funkgerät, aber dafür ein gutes Navigationssystem.

Der Fahrer fühlte sich wohl ertappt und versuchte mit seinem „Taxi“ zu flüchten. Es gelang dem Kollegen aber vorher, den Zündschlüssel abzuziehen und dadurch die Flucht zu verhindern.

Die bereits benachrichtigte Polizeistreife traf nun ein und die Beamten mussten erst Rücksprache mit ihrem Chef und einem Beamten des Zoll nehmen, da ihnen ein solcher Fall zum ersten Mal untergekommen war. Nach entsprechenden Anweisungen wurden die Unterlagen im Fahrzeug, die Einnahmen, das in unseren Regionen nicht zugelassene französische Taxischild sowie ein nicht erlaubtes Messer beschlagnahmt.

Nach den Zeugenaussagen wurden die Fahrgäste von einem regulären Taxi zu ihrem Ziel gebracht und der selbsternannte Taxifahrer durfte auch weiterfahren. Auf ihn kommen jedoch erhebliche Ermittlungen zu.

Die akribischen Aufzeichnungen des Fahrers über seine Fahrtstrecken und Fahrpreise ergaben übrigens, dass er meistens mehr kassiert hatte, als die reguläre Taxifahrt gekostet hätte.

Dies war von den bisher acht Fällen, bei denen wir illegale Taxis erwischt hatten, der krasseste und gleichzeitig originellste Fall.“

Sinan Kaganaslan

 

      

 

Wer mal einen Blick ins gesamte Heft werfen möchte, hier wird es regelmäßig zum Download angeboten.

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Routine erwünscht

27. März 2011

Seit jeher ist der Taxiplatz in Sillenbuch mein Lieblingsplatz. Wenn ich morgens meine Schicht beginne, fange ich fast immer dort an. Und deshalb gibt es in Sillenbuch für mich auch wie nirgendwo sonst die meisten Stammfahrgäste.

So zum Beispiel ein sehr betagtes Ehepaar, das ich, wenn ich Tagschicht habe, seit Jahren regelmäßig zum Mittagessen ins nahe gelegene Restaurant fahre. Manchmal hole ich sie auch ab, oder ich fahre sie sogar hin und zurück. Und das bei ganz viel „Glück“ gleich an beiden Tagen in Folge.

Ich gebe zu, ich stöhne jedes Mal auf, wenn es mich trifft, denn: Das Einsteigen zieht sich hin. Sie wartet an der Tür, jedes Mal in panischer Sorge, ich könnte versehentlich am Haus vorbeifahren. Nur widerwillig lässt sie sich von mir stützen und klagt dabei vorwurfsvoll:

„Es tut so weh, mir tut alles weh…“.

Er wackelt unsicher neben uns her. Sie weist mich herrisch an, ihre bevorzugte Route zu fahren, die ich natürlich schon kenne, trotzdem lotst sie mich jedes Mal aufs Neue. Er sitzt mit ihrer Tasche auf dem Schoß auf dem Rücksitz und braucht nach Ankunft mindestens zwei Minuten, um das Portemonnaie zu zücken. Beim Aussteigen weiß ich nicht, wem ich zuerst helfen soll. Sie nimmt mir die Entscheidung meistens ab:

„Helfen Sie doch mir“, fährt sie mich an, „und nicht meinem Mann!“,

der zeitgleich fast aus dem Taxi kippt. Beide erkennen mich seit Jahren nicht wieder, obwohl ich sie fast jede Woche fahre.

Heute bekomme ich wieder jene Adresse aufs Display, stöhne auf und fahre los. Doch dieses Mal ist es anders. Eine junge Frau wartet an ihrer Stelle an der Tür. Er braucht inzwischen eine Gehhilfe, schiebt den Rollator aber erstaunlich energisch, fast schon trotzig, vor sich her durch die Einfahrt.

„Zum Marienhospital.“

Unterwegs sprechen wir nicht. Auf halber Strecke sagt er unvermittelt und mit mühevoll fröhlicher Stimme:

„Na, dann fragen wir heute mal den Doktor, wann die Omi wieder nach Hause kann, nicht?“

Seine Enkelin starrt aus dem Fenster. Die Stimmung ist bedrückend.

Als wir ankommen, braucht er eine kleine Ewigkeit, um zu bezahlen. Seine Enkelin steigt schon aus. Er streichelt plötzlich meine Hand und ich frage mich, ob er vielleicht doch weiß, wer ich bin. Er betrachtet den Strauß roter Rosen auf seinem Schoß, als er sagt:

„Sie kommt nicht mehr nach Hause. Ich fühle es.“

Ich will etwas erwidern, aber mir fällt nichts ein. Vielleicht: Ich würde Sie und Ihre Frau gerne noch viele Male zum Mittagessen fahren. Ich hoffe es jedenfalls sehr.


Frust an der Front

21. März 2011

Nein, dieser Blog ist nicht tot, ich fahre nur Tagschicht. 😀

Ich würde euch alle, die ihr mir täglich immer noch an die 400 Hits beschert, nur allzu gerne mit lustigen ode spannenden Taxigeschichten versorgen, leider passiert gerade einfach nur nichts, nada, niente.

Ich fahre halt Taxi. Von A nach B. Manchmal auch nach C. Oder am Sonntag sogar nach Herrenberg, yay! Hab mir die volle Dröhnung Flughafen gegeben und wäre meinem Fahrgast nach dreieinhalb Stunden Wartezeit für eine Kurzfahrt aber auch echt an die Gurgel gegangen.

Tja nun, das ist alles, was ich derzeit zu erzählen habe.

Haltet mir die Treue, der April wird sicher besser. Und wenn mich der TÜV-Doc noch immer für personenbeförderungsfähig hält, kann ich auch im Mai noch fahren, die P-Schein-Verlängerung steht nach fünf Jahren nämlich erstmals an. Mal sehen, ob wenigstens bei den Psychofragen was Blogbares rausspringt. 😉

Cheers!

(So, wenigstens der obligatorische Märzeintrag wäre geschafft.)